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Strangguss-Ringe und Rohre: So spart man Bearbeitungszeit durch die Innenbohrung

Alexander Wosinski ·
Vorgebohrter Grauguss-Ring mit präzise gefrästem Innenbohrung auf Stahlwerkbank, Metallspäne und zweiter Rohling im Hintergrund.

Wer Ringe oder Buchsen aus Gusseisen fertigt, kennt das Problem: Ein Vollstab wird aufgespannt, das Material wird von innen herausgedreht, und ein erheblicher Teil des eingekauften Werkstoffs landet als Span in der Kiste. Strangguss-Ringe und Strangguss-Rohre setzen genau an diesem Punkt an. Das Halbzeug kommt bereits mit einer Innenbohrung, sodass der erste und oft aufwendigste Bearbeitungsschritt entfällt. Für Fertigungsbetriebe, die regelmäßig hohlzylindrische Bauteile aus Grauguss oder Sphäroguss herstellen, ist das ein konkreter Hebel zur Reduzierung von Bearbeitungszeit und Materialkosten.

Das Prinzip klingt einfach, die Umsetzung erfordert jedoch eine sorgfältige Abstimmung von Werkstoff, Abmessungen und gewünschtem Bearbeitungsgrad. Die folgenden Abschnitte zeigen, worauf es dabei ankommt und wann sich der Einsatz von Strangguss-Halbzeugen in Rohrform gegenüber dem Vollmaterial wirklich rechnet.

Weniger Material, weniger Zerspanungsaufwand

Der Materialvorteil von Strangguss-Rohren gegenüber Vollstäben lässt sich direkt beziffern: Je größer die Innenbohrung im Verhältnis zum Außendurchmesser, desto mehr Zerspanungsaufwand entfällt. Bei einer Buchse mit einem Außendurchmesser von 200 mm und einer Innenbohrung von 140 mm beispielsweise macht das Kernmaterial einen erheblichen Volumenanteil aus, der beim Vollstab komplett zerspant werden müsste. Strangguss-Rohre liefern diese Geometrie bereits als Halbzeug mit, sodass die Drehmaschine nur noch das Aufmaß abnimmt.

Das wirkt sich auf mehrere Größen gleichzeitig aus: Die Maschinenlaufzeit sinkt, der Werkzeugverschleiß reduziert sich, und die Spanlast in der Fertigung nimmt ab. Gerade bei Grauguss, der durch seine Sprödigkeit und den abrasiven Graphitanteil die Schneidkanten vergleichsweise stark beansprucht, ist jeder eingesparte Zerspanungsschritt ein wirtschaftlicher Vorteil. Rohre und Ringe aus Strangguss sind daher keine Nischenlösung, sondern ein sinnvoller Standard für alle Betriebe, die hohlzylindrische Bauteile in nennenswerter Stückzahl fertigen.

Grauguss oder Sphäroguss: Welcher Werkstoff passt?

Die Werkstoffwahl zwischen Grauguss (GJL) und Sphäroguss (GJS) hängt direkt von den mechanischen Anforderungen des fertigen Bauteils ab. Beide Werkstoffe sind nach DIN EN 16482 genormt und als Strangguss-Halbzeug ab Lager lieferbar, unterscheiden sich jedoch in ihren Eigenschaften deutlich.

Grauguss GJL: Bewährt für Gleit- und Dämpfungsanwendungen

Grauguss in den Güten GJL-250C und GJL-300C zeichnet sich durch gute Gleiteigenschaften, hohe Druckfestigkeit und eine natürliche Schwingungsdämpfung aus. Diese Eigenschaften machen ihn zur ersten Wahl für Führungsbuchsen, Lagerringe und Gleitlager, bei denen Verschleißbeständigkeit und Laufruhe gefragt sind. Die Bearbeitbarkeit ist gut, und das Material verhält sich beim Drehen und Fräsen vorhersehbar, was die Prozesssicherheit in der Serienfertigung erhöht.

Sphäroguss GJS: Wenn Zähigkeit und Festigkeit gefordert sind

Sphäroguss in den Güten GJS-400-15C bis GJS-700-3C bietet deutlich höhere Zugfestigkeit und Bruchdehnung als Grauguss. Das macht ihn geeignet für Bauteile, die dynamischen Belastungen oder Stößen ausgesetzt sind, etwa Druckzylinder, Hydraulikbuchsen oder tragende Ringe in Antriebssystemen. Die höhere Festigkeit erfordert angepasste Schnittparameter, wird aber durch die verbesserte Belastbarkeit des fertigen Bauteils mehr als ausgeglichen. Wer das Lieferprogramm für Gusseisen im Überblick sehen möchte, findet dort die verfügbaren Güten und Abmessungen.

Abmessungen und Toleranzen beim Strangguss-Rohling

Die Geometrie des Rohlings entscheidet darüber, wie viel Aufmaß nach dem Ablängen noch abzunehmen ist. Strangguss-Rohre und Ringe werden mit einem definierten Aufmaß geliefert, das dem Bearbeiter genug Material für eine saubere Fertigbearbeitung lässt, ohne unnötigen Zerspanungsaufwand zu erzeugen.

Für vorgedrehte Halbzeuge gilt ein Aufmaß von +1,0 mm auf den Außen- und Innendurchmesser. Das bedeutet: Der Rohling ist bereits nahe an der Zielkontur, und die Drehmaschine muss nur noch den letzten Millimeter abnehmen. Entscheidend dabei ist, dass die Innenbohrung beim Strangguss-Rohr bereits im Halbzeug angelegt ist, sodass das Ausdrehen eines Vollkerns vollständig entfällt. Die Abmessungen des Lieferprogramms reichen von 20 mm bis 740 mm Außendurchmesser, womit sich ein breites Spektrum an Bauteilgeometrien abdecken lässt. Für Sonderfälle außerhalb der Standardabmessungen lohnt sich eine direkte Anfrage, da aus dem laufenden Lagerbestand von rund 1.000 Tonnen oft auch weniger gängige Dimensionen kurzfristig bereitgestellt werden können.

Von der Rohware zum einbaufertigen Bauteil

Die Lieferstufe lässt sich flexibel an den eigenen Fertigungsgrad anpassen. Das Spektrum reicht von der gesägten Rohware über vorgedrehte Rohlinge bis zum einbaufertigen Bauteil nach Zeichnung. Welche Stufe sinnvoll ist, hängt von der eigenen Maschinenkapazität, der Stückzahl und dem verfügbaren Bearbeitungszeitfenster ab.

Betriebe mit ausreichend Drehkapazität und stabilen Prozessen wählen häufig den vorgedrehten Rohling mit +1,0 mm Aufmaß, da sie die Endbearbeitung selbst kontrollieren möchten. Betriebe mit Engpässen in der Dreherei oder bei Sonderkonturen können das Bauteil als einbaufertiges Teil nach Zeichnung beziehen. In diesem Fall übernimmt MK Strangguss GmbH die gesamte Bearbeitungskette über ausgewählte Bearbeitungspartner, einschließlich Feinbohrung, Plandrehen und Konturbearbeitung. Das Leistungs- und Serviceangebot gibt einen Überblick über die verfügbaren Bearbeitungsstufen. Die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 stellt sicher, dass auch bei ausgelagerter Bearbeitung die Qualitätsdokumentation lückenlos bleibt.

Typische Anwendungsfälle in der Praxis

Strangguss-Ringe und Rohre finden sich in einer Vielzahl von Anwendungen, bei denen hohlzylindrische Geometrien gefragt sind. Die folgenden Fälle zeigen, wo der Einsatz von Halbzeugen mit Innenbohrung den größten Effekt erzielt:

  • Führungsbuchsen und Gleitlager im Maschinenbau, bei denen GJL-250C oder GJL-300C wegen ihrer Gleiteigenschaften bevorzugt werden
  • Hydraulikzylinder und Druckbuchsen in der Antriebs- und Hydraulikindustrie, wo GJS-400-15C bis GJS-700-3C die erforderliche Festigkeit liefert
  • Lagerringe für Getriebe und Antriebswellen, bei denen enge Toleranzen und gleichbleibende Materialeigenschaften über mehrere Lieferungen hinweg entscheidend sind
  • Formplatten und Einsätze im Glas- und Formenbau, wo präzise Sägezuschnitte und gefräste Anlageflächen die Einbauzeit direkt reduzieren

Gemeinsam ist diesen Anwendungen, dass die Innenbohrung ohnehin Teil der Fertiggeometrie ist. Wer hier mit Vollmaterial beginnt, verschwendet Maschinenzeit für eine Arbeit, die das Halbzeug bereits mitbringt. Aus der Erfahrung in der Belieferung von Betrieben aus dem Maschinenbau und der Hydraulikindustrie zeigt sich, dass der Wechsel von Vollstab auf Rohr- oder Ringware bei gleichbleibenden Bauteilen die Bearbeitungszeit pro Stück spürbar senkt, ohne dass Änderungen an der Fertigungsplanung erforderlich sind.

So unterstützt MK Strangguss GmbH bei der Auswahl und Lieferung

Als Vollservice-Partner für Strangguss-Halbzeuge aus Gusseisen und Bronze begleitet MK Strangguss GmbH den gesamten Prozess, von der Werkstoffauswahl bis zur einbaufertigen Lieferung. Für Betriebe, die auf Strangguss-Ringe oder Strangguss-Rohre umstellen oder erstmals mit Hohlprofilen arbeiten, bedeutet das konkret:

  • Lieferung in Grauguss (GJL-250C, GJL-300C) und Sphäroguss (GJS-400-15C bis GJS-700-3C) nach DIN EN 16482, ab Lager in Abmessungen von 20 mm bis 740 mm
  • Vorgedrehte Rohlinge mit Innenbohrung nach Vorgabe, Aufmaß +1,0 mm, ab einem Stück lieferbar
  • Einbaufertige Bauteile nach Zeichnung über ausgewählte Bearbeitungspartner, mit Qualitätssicherung nach DIN EN ISO 9001:2015
  • Werkstoffe überwiegend aus deutscher Herstellung, mit gleichbleibenden Materialeigenschaften über alle Lieferungen hinweg
  • Lieferbereite Verpackung auf Paletten mit Holzrahmen, direkt weiterverarbeitbar ohne zusätzlichen Handlingaufwand

Sprechen Sie das Vertriebsteam an, wenn Sie Abmessungen, Werkstoffgüten oder Bearbeitungsoptionen abstimmen möchten. Die Kollegen in Plettenberg im märkischen Sauerland sind als Ansprechpartner erreichbar unter Tel. +49 2391 607744-0 oder info@mk-strangguss.de, Mo bis Fr von 07:00 bis 18:00 Uhr.

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