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Wie viel Aufmaß brauche ich bei GJL-250 Rundstangen? Praxisbeispiele

Alexander Wosinski ·
GJL-250 Grauguss-Rundstab eingespannt in Drehmaschine, Stahlspäne am Drehmeißel, Messschieber auf Rohmaterial, Werkstatt im Hintergrund.

Wer GJL-250 Rundstangen bestellt und direkt in die Bearbeitung gibt, riskiert Ausschuss. Das Aufmaß, also das Übermaß gegenüber dem Fertigmaß, entscheidet darüber, ob nach dem Drehen noch ausreichend Material für eine saubere Oberfläche vorhanden ist oder ob die Stange bereits im Rohzustand zu knapp dimensioniert wurde. Gerade bei Grauguss-Halbzeugen aus dem Stranggussverfahren stellen sich in der Praxis immer wieder dieselben Fragen: Wie viel Aufmaß ist genug? Und wann wird es unwirtschaftlich?

Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab, die sich gegenseitig beeinflussen. Dieser Beitrag zeigt, welche Einflussgrößen bei GJL-250 Rundstangen relevant sind, welche Aufmaßwerte sich in der Praxis bewährt haben, und wie drei typische Anwendungsfälle konkret geplant werden.

Einflussfaktoren auf das benötigte Aufmaß bei GJL-250

Das erforderliche Aufmaß bei GJL-250 Rundstangen ergibt sich nicht aus einer einzigen Kenngröße, sondern aus dem Zusammenspiel von Werkstoffeigenschaften, Fertigungsverfahren und geforderter Oberflächenqualität. Strangguss-Halbzeuge aus Grauguss weisen im Außenbereich der Stange eine Gusshaut auf, die durch das Erstarrungsverhalten beim Stranggussprozess entsteht. Diese Zone hat andere Eigenschaften als der Kernbereich und muss bei der Bearbeitung vollständig abgetragen werden.

Hinzu kommen Rundlauffehler und Verzug, die beim Sägen entstehen können, sowie die geforderte Oberflächengüte des Fertigteils. Für Gleitflächen oder Dichtflächen gelten andere Maßstäbe als für unbearbeitete Anlageflächen. Folgende Faktoren bestimmen das Aufmaß im Einzelnen:

  • Durchmesserbereich der Stange (kleinere Durchmesser erfordern prozentual weniger Aufmaß)
  • Länge des Zuschnittsstücks und damit verbundener Verzug beim Sägen
  • Geforderter Oberflächenrauheitswert am Fertigteil
  • Anzahl der Bearbeitungsschritte (Schruppen und Schlichten erfordern mehr Gesamtaufmaß als reines Schlichten)
  • Spannverhalten des Werkstücks in der Drehmaschine

Bei GJL-250 kommt hinzu, dass der Werkstoff bei zu geringem Aufmaß dazu neigt, Lunker oder Poren aus dem Randbereich freizulegen, die im Kernbereich nicht vorhanden wären. Ein zu knapp bemessenes Aufmaß spart zwar Material, kann aber den gesamten Bearbeitungsaufwand erhöhen, wenn Nacharbeit oder Ausschuss die Folge sind.

Typische Aufmaßwerte für gängige Durchmesserbereiche

Als Richtwert für Strangguss-Rundstangen aus GJL-250 haben sich in der Praxis gestaffelte Aufmaßwerte je nach Durchmesserbereich etabliert. Diese Werte beziehen sich auf einseitiges radiales Aufmaß, also den Unterschied zwischen dem Rohmaß und dem angestrebten Fertigmaß auf einer Seite.

Für Schruppdurchgänge mit anschließendem Schlichten empfiehlt sich ein Gesamtaufmaß, das beide Schritte berücksichtigt:

  • Bis 80 mm Durchmesser: 2,0 bis 3,0 mm radiales Aufmaß
  • 80 bis 200 mm Durchmesser: 3,0 bis 4,0 mm radiales Aufmaß
  • 200 bis 400 mm Durchmesser: 4,0 bis 6,0 mm radiales Aufmaß
  • Über 400 mm Durchmesser: 6,0 bis 8,0 mm radiales Aufmaß, abhängig von der Oberflächenanforderung

Diese Werte gelten für Stangen, die in einem Zug auf Fertigmaß gedreht werden. Wenn zwischen Schruppen und Schlichten ein Spannungsentlastungsglühen vorgesehen ist, sollte das Aufmaß um 1,0 bis 1,5 mm erhöht werden, um den thermisch bedingten Verzug auszugleichen. Bei Stangen, die vorgedreht geliefert werden, ist das Aufmaß bereits eingerechnet und beträgt standardmäßig +1,0 mm auf den Radius.

Praxisbeispiele: Aufmaßplanung für drei typische Anwendungsfälle

Abstrakte Richtwerte helfen nur begrenzt. Die folgenden drei Beispiele zeigen, wie die Aufmaßplanung bei realen Anwendungen aus dem Maschinenbau und der Antriebstechnik konkret aussieht.

Beispiel 1: Führungsbuchse für eine Werkzeugmaschine

Fertigmaß: 120 mm Außendurchmesser, Oberflächengüte Ra 1,6. Die Stange wird in zwei Schritten bearbeitet: Schruppen auf 124 mm, anschließend Schlichten auf 120 mm. Empfohlenes Rohmaß: 128 mm. Das ergibt ein radiales Gesamtaufmaß von 4,0 mm, was im mittleren Durchmesserbereich dem Richtwert entspricht und ausreichend Spielraum für das vollständige Abtragen der Gusshaut lässt.

Beispiel 2: Gleitlager für einen Antriebsstrang

Fertigmaß: 60 mm Außendurchmesser, Innenbohrung 40 mm, Oberflächengüte Ra 0,8 an der Gleitfläche. Da Ra 0,8 einen zusätzlichen Schlichtdurchgang mit minimalem Span erfordert, wird das Aufmaß gegenüber dem Standardwert leicht erhöht. Empfohlenes Rohmaß: 65 mm. Das radiale Aufmaß von 2,5 mm ermöglicht Schruppen auf 62 mm und anschließendes Schlichten auf 60 mm, ohne die Bohrungstoleranz zu gefährden.

Beispiel 3: Formplatte für den Formenbau

Fertigmaß: 320 mm Durchmesser, plangedrehte Stirnflächen, keine besonderen Oberflächenanforderungen an den Mantel. Hier steht die Planparallelität im Vordergrund. Das Aufmaß am Durchmesser kann mit 5,0 mm radial bemessen werden, während die Stirnflächen jeweils 3,0 mm Aufmaß erhalten. Empfohlenes Rohmaß: 330 mm Durchmesser, Länge plus 6,0 mm gegenüber dem Fertigmaß.

Häufige Fehler bei der Aufmaßplanung und wie man sie vermeidet

Zwei Fehler treten in der Praxis besonders häufig auf: zu geringes Aufmaß aus falsch verstandener Materialeffizienz und zu großes Aufmaß aus übertriebener Sicherheitsreserve. Beide kosten Geld, auf unterschiedliche Weise.

Zu geringes Aufmaß führt dazu, dass die Gusshaut nicht vollständig abgetragen wird. Das Ergebnis sind ungleichmäßige Oberflächen, Riefen durch eingeschlossene Hartstoffpartikel und im schlimmsten Fall freigelegte Poren, die das Bauteil unbrauchbar machen. Besonders bei GJL-250 Rundstangen mit Durchmessern über 200 mm sollte das Aufmaß nicht unter den empfohlenen Mindestwert gesetzt werden, auch wenn der erste Blick auf das Rohmaß großzügig erscheint.

Zu großes Aufmaß erhöht den Werkzeugverschleiß, verlängert die Bearbeitungszeit und erzeugt unnötigen Spanfall. Bei einem Grauguss-Halbzeug aus dem Stranggussverfahren ist die Materialqualität über den Querschnitt gleichmäßig, sodass überdimensionierte Aufmaße keinen Qualitätsvorteil bringen. Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die fehlende Unterscheidung zwischen radialem und diametralem Aufmaß. Wer 4,0 mm Aufmaß als Durchmesserwert angibt, meint 2,0 mm pro Seite. Diese Verwechslung führt entweder zu Untermaß oder zu unnötig hohem Materialeinsatz.

Bestellung und Zuschnitt: Aufmaß direkt beim Lieferanten berücksichtigen

Die effizienteste Lösung ist, das Aufmaß bereits bei der Bestellung zu kommunizieren. Ein erfahrener Lieferant für Strangguss-Halbzeuge kann Sägezuschnitte so dimensionieren, dass das Rohmaß direkt dem geplanten Aufmaß entspricht, ohne dass im eigenen Betrieb noch gesägt werden muss. Das reduziert internen Aufwand und minimiert Schnittabfall.

Für Stangen, die in der eigenen Fertigung weiterbearbeitet werden, empfiehlt sich die Angabe des Fertigmaßes und der Bearbeitungsschritte gegenüber dem Lieferanten. Dieser kann dann das passende Rohmaß aus dem Lagerbestand auswählen oder einen Zuschnitt mit dem erforderlichen Aufmaß bereitstellen. Bei Stangen, die vorgedreht geliefert werden sollen, ist das Aufmaß von +1,0 mm auf den Radius bereits definiert und muss nicht separat vereinbart werden.

Für Sonderfälle mit abweichenden Anforderungen, etwa bei sehr engen Toleranzen am Fertigteil oder bei Bauteilen mit Wärmebehandlung im Prozess, lohnt sich die direkte Abstimmung mit dem Vertrieb. Kurze Rückfragen vor der Bestellung vermeiden teure Korrekturen in der Fertigung.

Wie MK Strangguss GmbH bei der Aufmaßplanung unterstützt

MK Strangguss GmbH liefert GJL-250 Rundstangen nach DIN EN 16482 ab Lager in Abmessungen von 20 mm bis 740 mm, mit einem Lagerbestand von rund 1.000 Tonnen. Das ermöglicht eine flexible Auswahl des passenden Rohmaßes direkt entsprechend dem geplanten Aufmaß, ohne lange Vorlaufzeiten.

Für Kunden, die den Bearbeitungsaufwand reduzieren möchten, stehen folgende Optionen zur Verfügung:

  • Rohware im gewünschten Durchmesser, gesägt auf Länge mit präzisem Sägezuschnitt
  • Vorgedrehte Stangen mit einem Aufmaß von +1,0 mm auf den Radius, direkt bearbeitungsbereit
  • Einbaufertige Bauteile nach Zeichnung, gefertigt in der eigenen Fertigung im märkischen Sauerland
  • Abstimmung der Rohmaße durch lösungsorientierte Vertriebsmitarbeiter, die den Bearbeitungsprozess des Kunden kennen

Die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 sichert gleichbleibende Materialqualität über alle Lieferungen. Sprechen Sie das Vertriebsteam direkt an, um das passende Aufmaß und die richtige Lieferform für Ihre Anwendung zu besprechen: Tel. +49 2391 607744-0 | info@mk-strangguss.de | Mo bis Fr, 07:00 bis 18:00 Uhr.

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