Korrosion bei gelagerten Gusseisen-Halbzeugen lässt sich durch eine Kombination aus kontrollierten Lagerbedingungen, geeigneten Korrosionsschutzmitteln und einer sorgfältigen Verpackung wirksam verhindern. Gusseisen reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen, weshalb bereits einfache Maßnahmen in der Lagerpraxis einen erheblichen Unterschied machen. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Lagerung, Schutz und Aufbereitung von Gusseisen-Halbzeugen.
Warum rostet Gusseisen bei der Lagerung so schnell?
Gusseisen rostet bei der Lagerung schnell, weil es keinen nennenswerten Anteil an Legierungselementen wie Chrom enthält, die eine schützende Passivschicht bilden würden. Schon geringe Mengen Luftfeuchtigkeit reichen aus, um auf der ungeschützten Oberfläche eine elektrochemische Reaktion auszulösen, die zur Bildung von Eisenoxid führt.
Der Prozess wird durch mehrere Faktoren beschleunigt. Temperaturschwankungen erzeugen Kondensation auf der Metalloberfläche, besonders wenn kalte Halbzeuge in wärmere Lagerhallen gebracht werden. Salze und Verunreinigungen in der Luft wirken als Elektrolyte und steigern die Reaktionsgeschwindigkeit erheblich. Auch direkte Berührung mit feuchten Holzpaletten oder ungeschützten Betonböden fördert den Rostangriff.
Grauguss (GJL) und Sphäroguss (GJS) verhalten sich dabei ähnlich, da beide Werkstoffe auf einer Eisenmatrix basieren. Der Graphitanteil im Gefüge kann sogar als lokale Kathode wirken und die Korrosion in unmittelbarer Umgebung der Graphitlamellen oder -kugeln beschleunigen. Wer Gusseisen-Halbzeuge über längere Zeiträume lagert, muss diesen Mechanismus aktiv unterbrechen.
Welche Lagerungsbedingungen schützen Gusseisen-Halbzeuge am besten?
Die besten Lagerungsbedingungen für Gusseisen-Halbzeuge sind eine trockene, überdachte Umgebung mit konstanter Temperatur, guter Belüftung und ausreichend Abstand zum Boden. Relative Luftfeuchtigkeit unter 50 % gilt als Richtwert, ab dem die Korrosionsgeschwindigkeit auf ein akzeptables Niveau sinkt.
Folgende Maßnahmen haben sich in der Praxis bewährt:
- Lagerung auf Holzpaletten oder Stahlgestellen mit Mindestabstand von 10 cm zum Boden
- Vermeidung direkter Bodennähe, da Betonböden Feuchtigkeit abgeben
- Ausreichende Belüftung, um Staunässe und Kondensation zu verhindern
- Konstante Lagertemperatur, um Taupunktunterschreitungen auf der Metalloberfläche zu vermeiden
- Trennung von Halbzeugen aus unterschiedlichen Metallen, da Kontaktkorrosion zwischen ungleichen Werkstoffen auftreten kann
Wenn Halbzeuge aus einem kalten Außenlager in eine wärmere Halle gebracht werden, sollten sie zunächst in ihrer Verpackung verbleiben, bis sie die Umgebungstemperatur angenommen haben. Dieses sogenannte Temperieren verhindert, dass sich Kondenswasser auf der Oberfläche niederschlägt, bevor ein Schutzfilm aufgebracht werden kann.
Welche Korrosionsschutzmittel eignen sich für Gusseisen-Halbzeuge?
Für Gusseisen-Halbzeuge eignen sich vor allem wasserverdrängende Korrosionsschutzöle, Konservierungswachse und lösemittelhaltige Schutzlacke, die einen temporären Schutzfilm auf der Oberfläche bilden. Die Wahl des Mittels richtet sich nach der geplanten Lagerdauer und dem nachfolgenden Bearbeitungsschritt.
Kurzfristiger Schutz bis zu drei Monaten
Für kurze Lagerzeiten reichen dünnflüssige Korrosionsschutzöle auf Mineralölbasis aus. Sie lassen sich einfach aufsprühen oder auftragen, verdrängen Restfeuchtigkeit von der Oberfläche und bilden einen leichten Schutzfilm. Der Vorteil: Sie sind vor der Weiterverarbeitung in der Regel ohne aufwendige Reinigung entfernbar und beeinflussen die Zerspanbarkeit kaum.
Langfristiger Schutz über mehrere Monate
Bei längerer Lagerung empfehlen sich Konservierungswachse oder dickflüssige Korrosionsschutzfette. Sie bilden eine robustere Barriere gegen Feuchtigkeit und mechanische Einflüsse. Vor der Bearbeitung müssen diese Mittel vollständig entfernt werden, da Rückstände die Werkzeugstandzeit beeinträchtigen und Oberflächenqualitäten verfälschen können. Lösemittelbasierte Reiniger oder Kaltreiniger auf Basis von Kohlenwasserstoffen sind hierfür geeignet.
Was sind VCI-Verpackungen und wann lohnt sich ihr Einsatz?
VCI-Verpackungen (Volatile Corrosion Inhibitor) sind Verpackungsmaterialien, die flüchtige Korrosionsschutzmittel freisetzen. Diese verdampfen langsam und setzen sich als molekularer Schutzfilm auf der Metalloberfläche ab, ohne dass ein flüssiges Mittel aufgetragen werden muss. Der Schutz wirkt, solange die Verpackung geschlossen bleibt.
VCI-Folien, VCI-Papiere und VCI-Beutel sind die gebräuchlichsten Formen. Sie eignen sich besonders dann, wenn Halbzeuge bereits bearbeitet oder auf Fertigmaß gesägt wurden und eine nachträgliche Ölkonservierung den Aufwand vor der Weiterverarbeitung erhöhen würde. Der Schutzeffekt setzt innerhalb weniger Stunden nach dem Verpacken ein und hält bei intakter Verpackung mehrere Monate an.
Für rohe Strangguss-Halbzeuge in größeren Abmessungen ist die VCI-Verpackung weniger wirtschaftlich als für kleinere, bereits bearbeitete Zuschnitte. Bei Halbzeugen, die direkt nach Eingang in die Fertigung gehen, ist der Einsatz von VCI-Material dagegen eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen Ölkonservierung, da sie den Reinigungsaufwand beim Empfänger reduziert.
Wie entfernt man Korrosion von Gusseisen-Halbzeugen, bevor sie weiterverarbeitet werden?
Oberflächliche Korrosion auf Gusseisen-Halbzeugen lässt sich mechanisch oder chemisch entfernen, bevor die Weiterverarbeitung beginnt. Die Methode richtet sich nach dem Ausmaß des Rostbefalls und dem geforderten Endzustand der Oberfläche.
Für leichten Oberflächenrost ohne Tiefenwirkung sind folgende Verfahren geeignet:
- Schleifen oder Bürsten mit Stahlbürsten oder Schleifvlies, um die Rostschicht mechanisch abzutragen
- Strahlen mit Stahlkorn oder Korund, das eine saubere und gleichmäßige Oberfläche erzeugt
- Chemische Behandlung mit sauren Rostlösern auf Phosphorsäurebasis, die den Rost in eine inerte Phosphatschicht umwandeln
Nach der Entrostung sollte die Oberfläche unmittelbar mit einem Korrosionsschutzmittel behandelt oder direkt zerspant werden, da frisch entrostetes Gusseisen besonders reaktiv ist. Wer die Halbzeuge anschließend dreht oder fräst, trägt die betroffene Randzone ohnehin ab und erhält eine saubere Schnittfläche. Bei Säge- und Bearbeitungsleistungen wird die Oberfläche durch den Bearbeitungsprozess selbst erneuert, was die Entrostung vor der Übergabe an die Maschine vereinfacht.
Ab wann ist ein korrodiertes Gusseisen-Halbzeug nicht mehr verwendbar?
Ein korrodiertes Gusseisen-Halbzeug ist nicht mehr verwendbar, wenn der Rostangriff tiefer in das Gefüge eingedrungen ist, als das vorgesehene Aufmaß beim Zerspanen abtragen kann. Oberflächlicher Rost, der sich innerhalb der Bearbeitungszugabe befindet, ist in der Regel unkritisch. Tiefer Lochfraß oder Risskorrosion dagegen gefährdet die mechanischen Eigenschaften des Bauteils.
Als Faustregel gilt: Wenn die Rostnarben nach dem Abdrehen oder Fräsen noch sichtbar sind oder die Wandstärke des fertigen Bauteils unterschritten wird, ist das Halbzeug für die ursprüngliche Anwendung nicht mehr geeignet. Bei Grauguss (GJL) und Sphäroguss (GJS) sind die geforderten Zugfestigkeits- und Dehnungswerte nach DIN EN 16482 nur dann sicher erreichbar, wenn der Werkstoffquerschnitt intakt ist.
Praktisch bedeutet das: Ein Rundstab, der für ein Bauteil mit definiertem Außendurchmesser vorgesehen ist und nur geringes Aufmaß hat, kann durch tiefen Lochfraß unbrauchbar werden, auch wenn er äußerlich noch handhabbar wirkt. Die Entscheidung sollte nicht allein nach dem optischen Eindruck getroffen werden. Im Zweifel empfiehlt sich eine mechanische Prüfung der Oberfläche nach der Entrostung oder die Rücksprache mit dem Lieferanten über die Eignung des Materials für die konkrete Anwendung.
Wie MK Strangguss GmbH die Lagerqualität von Anfang an sicherstellt
Viele Korrosionsprobleme bei gelagerten Gusseisen-Halbzeugen entstehen nicht erst im eigenen Lager, sondern beginnen mit der Qualität und dem Zustand des Materials beim Wareneingang. MK Strangguss GmbH setzt an diesem Punkt an und liefert Strangguss-Halbzeuge aus Grauguss (GJL) und Sphäroguss (GJS) nach DIN EN 16482 in einem Zustand, der direkte Weiterverarbeitung oder sichere Zwischenlagerung ermöglicht.
Die wesentlichen Vorteile für Ihre Beschaffung:
- Rund 1.000 Tonnen Lagerbestand ab Lager lieferbar, größtenteils aus deutscher Herstellung mit gleichbleibenden Materialeigenschaften
- Saubere Lieferung auf Paletten mit Holzrahmen, direkt vom LKW an Ihr Bearbeitungszentrum weitergebbar
- Präzise Sägezuschnitte mit minimalem Aufmaß, die Materialverschnitt reduzieren und die Lagerkosten senken
- Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 als Grundlage für rückverfolgbare Qualitätssicherung
- Bearbeitungsoptionen von der Rohware über vorgedrehte Zuschnitte bis zum einbaufertigen Bauteil nach Zeichnung
Sprechen Sie unser Vertriebsteam an, wenn Sie Fragen zu Abmessungen, Werkstoffen oder Lieferzeiten haben. Wir sind Mo. bis Fr. von 07:00 bis 18:00 Uhr erreichbar: Tel. +49 2391 607744-0 oder info@mk-strangguss.de.
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