Wer Gusseisen mit Kugelgraphit beschaffen, konstruieren oder verarbeiten will, kommt an der DIN EN 1563 nicht vorbei. Die Norm legt fest, welche mechanischen Eigenschaften Sphäroguss-Werkstoffe erfüllen müssen, wie diese Eigenschaften geprüft werden und unter welchen Bedingungen eine Abnahme erfolgt. Für Einkäufer, Konstrukteure und Fertigungsleiter im Maschinenbau, in der Hydraulikindustrie und im Formenbau bildet sie die verbindliche Grundlage für die Werkstoffauswahl und die Qualitätssicherung.
Dieser Artikel erklärt, was DIN EN 1563 konkret regelt, wie sie sich von verwandten Normen wie DIN EN 16482 abgrenzt und welche praktischen Konsequenzen sie für die Beschaffung von Strangguss-Halbzeugen aus GJS hat.
Werkstoffgüten und mechanische Kennwerte nach DIN EN 1563
DIN EN 1563 definiert eine Reihe von Gusseisen-mit-Kugelgraphit-Güten, die sich durch ihre Zugfestigkeit, Dehngrenze und Bruchdehnung unterscheiden. Die Bezeichnungen folgen dem Schema GJS-XXX-YY, wobei die erste Zahl die Mindestzugfestigkeit in N/mm² und die zweite Zahl die Mindestbruchdehnung in Prozent angibt. Gängige Güten reichen von GJS-350-22 für besonders duktile Anwendungen bis hin zu GJS-700-2 für hochfeste Bauteile.
Die mechanischen Kennwerte werden in der Norm sowohl als Anforderungen an separat gegossene Probestäbe als auch an aus dem Gussteil entnommene Proben angegeben. Entscheidend dabei ist, dass die Eigenschaften im fertigen Bauteil von denen im separat gegossenen Probestab abweichen können, da Wanddicke und Erstarrungsbedingungen die Gefügeausbildung beeinflussen. Die Norm trägt diesem Umstand durch gesonderte Anforderungstabellen Rechnung.
Neben den Zugversuchskennwerten enthält DIN EN 1563 auch Anforderungen an die Kerbschlagarbeit für ausgewählte Güten, insbesondere für tieftemperaturtaugliche Varianten. Diese Angaben sind für Anwendungen relevant, bei denen Bauteile im Betrieb Temperaturen unter null Grad Celsius ausgesetzt sind.
Prüfanforderungen und Abnahmebedingungen der Norm
Die Norm schreibt vor, wie Probestäbe zu entnehmen, zu fertigen und zu prüfen sind. Für separat gegossene Probestäbe gelten definierte Formen und Mindestabmessungen; für angegossene oder aus dem Gussteil entnommene Proben gelten gesonderte Vorschriften, die auf die jeweilige Wanddicke des Bauteils abgestimmt sind.
Die Abnahmebedingungen regeln, welche Prüfungen bei welcher Losgröße durchzuführen sind und wie mit Nachprüfungen bei nicht bestandenen Ergebnissen umzugehen ist. Dabei unterscheidet die Norm zwischen Schmelzenprüfung und Stückprüfung. Die Schmelzenprüfung ist der Regelfall; die Stückprüfung wird vereinbart, wenn besondere Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit oder an die Gleichmäßigkeit der Eigenschaften im Bauteil bestehen.
Für die Qualitätsdokumentation ist die Norm klar strukturiert: Abnahmeprüfzeugnisse nach DIN EN 10204 können auf Basis der DIN EN 1563-Anforderungen ausgestellt werden. Das ist für Abnehmer relevant, die in ihrem eigenen Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001:2015 arbeiten und eine lückenlose Materialrückverfolgung benötigen.
Abgrenzung zu verwandten Normen wie DIN EN 16482
DIN EN 1563 und DIN EN 16482 regeln beide Gusseisen mit Kugelgraphit, adressieren aber unterschiedliche Halbzeugformen und Herstellungsverfahren. DIN EN 1563 gilt für Gussstücke, also für Bauteile, die durch Gießen in eine Form hergestellt werden. DIN EN 16482 hingegen ist die maßgebliche Norm für Strangguss-Halbzeuge aus Gusseisen, also für Stäbe, Rohre und Profile, die im kontinuierlichen Gießverfahren hergestellt werden.
Dieser Unterschied ist für die Beschaffung nicht trivial. Strangguss weist gegenüber konventionellen Gussstücken eine feinere und homogenere Gefügestruktur auf, was sich in verbesserten mechanischen Eigenschaften und einer höheren Maßkonstanz niederschlägt. DIN EN 16482 trägt diesem Umstand Rechnung, indem sie spezifische Anforderungen für das Stranggussprofil definiert, die von den allgemeinen Anforderungen der DIN EN 1563 abweichen können.
Wer Strangguss-Halbzeuge aus Sphäroguss beschafft, sollte daher prüfen, ob der Lieferant nach DIN EN 16482 oder nach DIN EN 1563 liefert. Beide Normen sind technisch anerkannt, aber sie beschreiben unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Eigenschaftsprofilen. Für Strangguss-Halbzeuge ist DIN EN 16482 die normativ korrekte Referenz.
Relevanz der Norm für Maschinenbau und Hydraulikindustrie
Sphäroguss nach DIN EN 1563 gehört zu den meistgenutzten Werkstoffen im Maschinenbau, weil er Zugfestigkeit und Duktilität in einem Werkstoff vereint, der sich gut zerspanen lässt. Gegenüber Grauguss (GJL) bietet GJS eine deutlich höhere Bruchdehnung, was ihn für dynamisch belastete Bauteile wie Getriebegehäuse, Kurbelwellenlagerböcke oder Hydraulikzylinder qualifiziert.
In der Hydraulikindustrie sind definierte mechanische Kennwerte besonders wichtig, weil Druckbelastungen präzise berechenbar sein müssen. Die normierten Mindestwerte für Zugfestigkeit und Dehngrenze nach DIN EN 1563 geben Konstrukteuren die Grundlage für eine zuverlässige Auslegung. Güten wie GJS-400-15 oder GJS-500-7 werden hier häufig eingesetzt, weil sie die nötige Festigkeit mit ausreichender Duktilität verbinden.
Für Fertigungsleiter und Einkäufer bedeutet die Normkonformität außerdem, dass Werkstoffe zwischen verschiedenen Lieferanten vergleichbar sind, solange beide nach derselben Norm liefern. Das vereinfacht den Lieferantenwechsel und reduziert das Risiko bei der Qualifikation neuer Quellen.
Normkonforme Werkstoffauswahl bei Strangguss-Halbzeugen
Bei der Auswahl von Strangguss-Halbzeugen aus Sphäroguss sollten technische Entscheider zunächst klären, welche Güte die mechanischen Anforderungen der Anwendung erfüllt, und anschließend prüfen, ob der Lieferant diese Güte mit dem richtigen Normbezug liefern kann. Für Strangguss ist das, wie oben beschrieben, DIN EN 16482 mit den entsprechenden GJS-Güten von GJS-400-15C bis GJS-700-3C.
Darüber hinaus spielen die verfügbaren Abmessungen eine entscheidende Rolle. Nicht jede Güte ist in jeder Querschnittsform und Abmessung ab Lager verfügbar. Bei der Auswahl des Halbzeugs lohnt es sich, frühzeitig mit dem Lieferanten abzustimmen, welche Abmessungen kurzfristig verfügbar sind und ob das Material als Rohware, als gesägter Zuschnitt oder bereits vorgedreht geliefert werden soll.
Für Anwendungen mit besonderen Anforderungen an die Dokumentation, etwa in der Serienproduktion mit eigenem Qualitätsmanagementsystem, empfiehlt sich die Anforderung eines Abnahmeprüfzeugnisses nach DIN EN 10204. Damit ist der Nachweis der Normkonformität lückenlos dokumentiert und revisionssicher archivierbar.
Wie MK Strangguss GmbH bei der Werkstoffauswahl nach DIN EN 1563 und DIN EN 16482 unterstützt
Als spezialisierter Händler und Bearbeiter von Strangguss-Halbzeugen aus dem märkischen Sauerland liefert MK Strangguss GmbH Sphäroguss-Werkstoffe nach DIN EN 16482 ab Lager, mit einem Lagerbestand von rund 1.000 Tonnen und Abmessungen von 20 mm bis 740 mm. Das Lieferprogramm umfasst die Güten GJS-400-15C bis GJS-700-3C, die den mechanischen Anforderungen aus dem Maschinenbau, der Hydraulikindustrie und dem Formenbau entsprechen.
Der konkrete Nutzen für Beschaffung und Fertigung:
- Lieferung als Rohware, gesägter Zuschnitt, vorgedreht mit einem Aufmaß von +1,0 mm oder einbaufertig nach Zeichnung
- Abnahmeprüfzeugnisse nach DIN EN 10204 auf Anfrage für eine lückenlose Qualitätsdokumentation
- Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 als Grundlage für die eigene Lieferantenqualifikation
- Kurze Reaktionszeiten durch optimierte Bevorratung einzelner Abmessungen und Güten
- Eigene Bearbeitung durch Sägen, Drehen und Fräsen im märkischen Sauerland
Sprechen Sie unser Vertriebsteam an, wenn Sie Unterstützung bei der Werkstoffauswahl oder konkreten Bedarf an Sphäroguss-Halbzeugen haben. Wir beraten Sie zu Güten, Abmessungen und Lieferzeiten: Kontakt zum Vertrieb | Tel. +49 2391 607744-0 | info@mk-strangguss.de | Mo–Fr, 07:00–18:00 Uhr.
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