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Was ist Schleuderguss — und wie unterscheidet er sich von Strangguss?

Alexander Wosinski ·
Frisch geschnittener Grauguss-Stab neben bronzenem Schleudergussring auf Stahlwerkbank, Metallspäne verstreut, industrielle Werkstattumgebung.

Wer Gusseisen-Halbzeuge beschafft, stößt früher oder später auf zwei Verfahren, die auf den ersten Blick ähnlich klingen: Schleuderguss und Strangguss. Beide erzeugen zylindrische Halbzeuge aus Gusseisen, beide werden in der metallverarbeitenden Industrie eingesetzt, und beide liefern Werkstoffe, die anschließend spanend bearbeitet werden. Die Unterschiede zwischen Schleuderguss und Strangguss sind jedoch technisch erheblich, und sie wirken sich direkt auf Gefügestruktur, Maßgenauigkeit, Verfügbarkeit und Eignung für konkrete Anwendungen aus.

Dieser Artikel erklärt, wie beide Verfahren funktionieren, wo die werkstofftechnischen Unterschiede liegen und wann Strangguss die wirtschaftlich sinnvollere Wahl ist.

Wie beide Gussverfahren funktionieren

Beim Schleuderguss wird flüssiges Metall in eine rotierende Kokille eingefüllt. Die Zentrifugalkraft presst die Schmelze gegen die Formwand, wo sie von außen nach innen erstarrt. Dieses Verfahren eignet sich vor allem für Hohlkörper wie Rohre und Ringe, da die Rotation eine natürliche Innenbohrung erzeugt. Die Kokille dreht sich typischerweise mit mehreren hundert Umdrehungen pro Minute, was zu einer charakteristischen Gefügestruktur führt.

Strangguss funktioniert nach einem grundlegend anderen Prinzip. Die Schmelze wird kontinuierlich in eine wassergekühlte Kokille gegossen und als endloser Strang nach unten oder horizontal abgezogen. Durch die kontrollierte Erstarrung entsteht ein homogenes, dichtes Gefüge über den gesamten Querschnitt. Anschließend wird der Strang in handhabbare Längen gesägt. Das Verfahren ermöglicht die wirtschaftliche Herstellung von Rundstäben, Vierkant- und Rechteckprofilen sowie Rohren in einem breiten Abmessungsspektrum.

Werkstoffeigenschaften und Gefügestruktur im Vergleich

Das Gefüge ist der entscheidende technische Unterschied zwischen beiden Verfahren. Beim Schleuderguss bewirkt die Zentrifugalkraft eine Entmischung der Schmelze: Schwerere Bestandteile wandern nach außen, leichtere Phasen und Verunreinigungen reichern sich im Innenbereich an. Das Ergebnis ist ein radial inhomogenes Gefüge, das zur Berandung hin dichter wird. Für Rohranwendungen, bei denen die tragende Außenwand belastet wird, kann das vorteilhaft sein. Für Vollmaterial oder Bauteile mit gleichmäßiger Belastung über den gesamten Querschnitt ist diese Inhomogenität jedoch ein Nachteil.

Strangguss-Halbzeuge weisen dagegen ein gleichmäßiges, feines Gefüge über den gesamten Querschnitt auf. Die kontrollierte, gerichtete Erstarrung in der wassergekühlten Kokille unterdrückt Lunker und Seigerungen weitgehend. Für Grauguss (GJL) bedeutet das eine gleichmäßige Graphitverteilung, für Sphäroguss (GJS) eine homogene Verteilung der Kugelgraphit-Einschlüsse. Diese Gleichmäßigkeit ist für die spanende Bearbeitung besonders wertvoll: Das Werkzeugverhalten ist über den gesamten Querschnitt vorhersehbar, Ausbrüche und unerwartete Härteschwankungen werden minimiert.

Typische Anwendungsgebiete der beiden Verfahren

Die Anwendungsgebiete beider Verfahren überschneiden sich teilweise, unterscheiden sich aber in wichtigen Bereichen. Schleuderguss wird traditionell dort eingesetzt, wo großformatige Rohre, Buchsen oder Lagerringe mit definierter Innenbohrung gefragt sind, besonders im Bereich Pumpen, Kompressoren und Zylinderlaufbuchsen. Das Verfahren ist wirtschaftlich, wenn die Geometrie des Bauteils der natürlichen Form des Schleudergusses entspricht.

Strangguss deckt ein breiteres Anwendungsspektrum ab. Im Lieferprogramm für Gusseisen finden sich Werkstoffe für den Maschinenbau, die Antriebs- und Hydraulikindustrie sowie den Glas- und Formenbau. Typische Anwendungen umfassen:

  • Führungsleisten, Gleitplatten und Maschinengestelle im Maschinenbau
  • Hydraulikblöcke, Ventilgehäuse und drucktragende Bauteile in der Hydraulikindustrie
  • Formplatten, Formrahmen und Führungselemente im Glas- und Formenbau
  • Zahnräder, Kupplungsteile und Getriebegehäuse in der Antriebstechnik

Die Geometrievielfalt des Stranggussverfahrens, von Rundstäben über Vierkantprofile bis zu Rohren, macht es zum bevorzugten Ausgangsmaterial für Bauteile, die aus dem Vollen bearbeitet werden.

Abmessungen, Verfügbarkeit und Lieferform

Schleuderguss-Halbzeuge werden in der Regel auftragsgebunden gefertigt oder aus begrenzten Lagersortimenten bezogen. Das bedeutet für den Einkäufer: längere Beschaffungszeiten, Mindestmengen und weniger Flexibilität bei Sonderabmessungen. Die Qualitätskonsistenz zwischen verschiedenen Chargen kann zudem variieren, was bei der Bearbeitung zu wechselnden Zerspanungsbedingungen führen kann.

Strangguss-Halbzeuge sind dagegen in breiten Abmessungsspektren ab Lager verfügbar. Für die spanende Bearbeitung besonders relevant ist die Lieferform: Strangguss wird als Rohware, als gesägter Zuschnitt, als vorgefrästes Profil oder vorgedreht geliefert. Das reduziert den internen Bearbeitungsaufwand direkt. Lieferformen im Überblick:

  • Rohware als gesägter Stab oder Abschnitt
  • Vorgefräst auf vier oder sechs Seiten
  • Vorgedreht mit einem Aufmaß von +1,0 mm
  • Einbaufertig nach Zeichnung über Bearbeitungspartner

Die Lieferform als vorgedrehter Zuschnitt spart in der Fertigung den ersten Bearbeitungsschritt, was bei größeren Stückzahlen oder engen Fertigungszyklen wirtschaftlich spürbar wird.

Wann Strangguss die bessere Wahl ist

Strangguss ist die bessere Wahl, wenn gleichmäßige Werkstoffeigenschaften über den gesamten Querschnitt, kurze Lieferzeiten und flexible Bearbeitungsoptionen gefragt sind. Das gilt besonders für Vollmaterial, das aus dem Vollen bearbeitet wird, für Bauteile mit definierten mechanischen Anforderungen nach DIN EN 16482 sowie für Anwendungen, bei denen Chargen-zu-Charge-Konsistenz für die eigene Qualitätssicherung dokumentiert werden muss.

Schleuderguss kann sinnvoll sein, wenn sehr großformatige Hohlkörper mit spezifischen Wanddickenanforderungen gefragt sind und die Lieferzeit keine kritische Rolle spielt. Für die meisten Standardanwendungen im Maschinenbau, der Hydraulikindustrie und dem Formenbau bietet Strangguss jedoch die wirtschaftlichere und flexiblere Lösung, insbesondere wenn der Werkstoff in definierten Güten wie GJL-250C, GJL-300C oder GJS-400-15C bis GJS-700-3C benötigt wird.

Entscheidend ist dabei auch die Frage der Versorgungssicherheit. Ein Lagerbestand, der kurzfristige Abrufe ohne Mindestmengen ermöglicht, ist für Produktionsbetriebe mit schwankendem Bedarf ein konkreter Wettbewerbsvorteil gegenüber auftragsgebundener Fertigung.

Wie MK Strangguss GmbH bei der Werkstoffauswahl unterstützt

Als spezialisierter Vollservice-Partner für Strangguss-Halbzeuge aus Gusseisen und Bronze liefert MK Strangguss GmbH Werkstoffe nach DIN EN 16482 in Abmessungen von 20 mm bis 740 mm, ab Lager und ab einem Stück. Mit rund 1.000 Tonnen Lagerbestand, größtenteils aus deutscher Herstellung, gewährleistet das Unternehmen kurze Reaktionszeiten auch bei kurzfristigem Bedarf. Das Angebot umfasst konkret:

  • Grauguss (GJL) in den Güten GJL-HB150C, GJL-250C und GJL-300C
  • Sphäroguss (GJS) von GJS-400-15C bis GJS-700-3C
  • Bronze-Legierungen als Ergänzung zum Gusseisen-Sortiment
  • Bearbeitung in der eigenen Fertigung im märkischen Sauerland: sägen, drehen, fräsen
  • Lieferung als Rohware, Sägezuschnitt, vorgedreht oder einbaufertig nach Zeichnung

Die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 sichert die Qualitätsdokumentation für die eigene Lieferkette. Für Fragen zu Abmessungen, Werkstoffgüten und Lieferzeiten steht das Vertriebsteam unter Kontakt und Ansprechpartner zur Verfügung: Tel. +49 2391 607744-0 oder info@mk-strangguss.de, Mo bis Fr von 07:00 bis 18:00 Uhr.

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