GG25 und GJL-250 bezeichnen werkstofftechnisch denselben Grauguss-Werkstoff. Die Umbenennung erfolgte im Zuge der europäischen Normharmonisierung: Die alte DIN-Bezeichnung GG25 wurde durch die europäische Norm DIN EN 1561 abgelöst, deren Nachfolger im Strangguss-Bereich DIN EN 16482 ist. Wer heute mit GJL-250 arbeitet, arbeitet mit demselben Grundwerkstoff wie früher unter der Bezeichnung GG25. Die folgenden Abschnitte klären, was hinter der neuen Bezeichnungslogik steckt, welche alten GG-Güten welchen neuen GJL-Güten entsprechen und was das für bestehende Zeichnungen bedeutet.
Warum wurde GG25 in GJL-250 umbenannt?
Die Umbenennung von GG25 in GJL-250 ist keine inhaltliche Änderung des Werkstoffs, sondern das Ergebnis der europäischen Normharmonisierung. Mit der Einführung der EN 1561 (später weiterentwickelt für Strangguss in DIN EN 16482) wurde ein einheitliches, sprachübergreifendes Bezeichnungssystem für Gusseisen-Werkstoffe in Europa eingeführt. Die alte Bezeichnung GG25 stammte aus der deutschen DIN-Norm und war national geprägt.
Das Ziel der Harmonisierung war, in allen EU-Mitgliedsstaaten eine einheitliche Werkstoffbezeichnung zu etablieren, die unabhängig von der jeweiligen Landessprache eindeutig interpretierbar ist. Für Einkäufer und Konstrukteure, die grenzüberschreitend beschaffen oder liefern, ist das ein konkreter Vorteil: Ein Lieferant in Polen, ein Abnehmer in den Niederlanden und ein Hersteller in Deutschland sprechen mit GJL-250 über exakt dieselbe Werkstoffklasse.
Sind GG25 und GJL-250 werkstofftechnisch identisch?
Ja, GG25 und GJL-250 sind werkstofftechnisch als äquivalente Werkstoffklassen zu behandeln. Beide bezeichnen Grauguss mit einer Mindestzugfestigkeit von 250 N/mm² und vergleichbaren mechanischen Eigenschaften. Die Umbenennung hat keine Änderung der Werkstoffzusammensetzung, der Gefügestruktur oder der mechanischen Kennwerte bewirkt.
Grauguss dieser Klasse zeichnet sich durch sein lamellares Graphitgefüge aus, das für gute Dämpfungseigenschaften, gute Bearbeitbarkeit und ausreichende Druckfestigkeit steht. Diese Eigenschaften gelten für GG25 wie für GJL-250 gleichermaßen. Wer also Erfahrungswerte aus der Bearbeitung von GG25 hat, kann diese direkt auf GJL-250 übertragen.
Ein kleiner Unterschied kann sich in der konkreten Normausprägung ergeben: Im Strangguss-Bereich gilt DIN EN 16482, die spezifische Anforderungen an stranggegossene Halbzeuge definiert, etwa hinsichtlich der Gefügehomogenität und der Oberflächenqualität. Die Bezeichnung lautet dort GJL-250C, wobei das angehängte „C“ auf den Strangguss-Prozess (Continuous Casting) hinweist.
Was bedeuten die Buchstaben und Zahlen in der neuen GJL-Bezeichnung?
Die Bezeichnung GJL-250 folgt einem klar strukturierten System nach europäischer Norm. Jedes Element der Bezeichnung trägt eine definierte Bedeutung, die Werkstoffart, Gefügetyp und Mindestzugfestigkeit codiert.
- GJ steht für „Gusseisen“ (Cast Iron), abgeleitet vom englischen Begriff „Cast Iron“ im Rahmen der europäischen Harmonisierung.
- L steht für „Lamellar“ und kennzeichnet das lamellare Graphitgefüge, das typisch für Grauguss ist.
- 250 gibt die Mindestzugfestigkeit in N/mm² an.
- C (in GJL-250C) steht für „Continuous Casting“ und kennzeichnet stranggegossene Werkstoffe nach DIN EN 16482.
Diese Bezeichnungslogik gilt einheitlich für alle Grauguss-Güten. Sie ermöglicht es, allein aus der Bezeichnung die wesentlichen werkstofftechnischen Eigenschaften abzulesen, ohne auf nationale Normen zurückgreifen zu müssen. Für Konstrukteure und Einkäufer, die Grauguss-Halbzeuge nach Norm spezifizieren, ist dieses System erheblich transparenter als die alten GG-Bezeichnungen.
Welche Grauguss-Güten entsprechen welchen alten GG-Bezeichnungen?
Die Zuordnung zwischen alten GG-Bezeichnungen und neuen GJL-Güten ist direkt und eindeutig. Die Zahl hinter GG entsprach der Mindestzugfestigkeit in kp/mm², die Zahl hinter GJL gibt dieselbe Größe in N/mm² an. Da 1 kp/mm² näherungsweise 9,81 N/mm² entspricht, ergibt sich eine konsistente Umrechnungslogik.
- GG-15 entspricht GJL-150 (bzw. GJL-HB150C im Strangguss)
- GG-20 entspricht GJL-200
- GG-25 entspricht GJL-250 (bzw. GJL-250C im Strangguss)
- GG-30 entspricht GJL-300 (bzw. GJL-300C im Strangguss)
- GG-35 entspricht GJL-350
Im Strangguss-Lieferprogramm nach DIN EN 16482 sind die gängigen Güten GJL-HB150C, GJL-250C und GJL-300C, ergänzt durch Sphäroguss-Güten von GJS-400-15C bis GJS-700-3C. Die Strangguss-Varianten unterscheiden sich von sandgegossenen Werkstoffen durch ein feineres, homogeneres Gefüge, das bessere Bearbeitungseigenschaften und engere Maßtoleranzen ermöglicht.
Muss ich alte Zeichnungen mit GG25 aktualisieren?
Technisch gesehen ist eine Aktualisierung nicht zwingend erforderlich, um den richtigen Werkstoff zu beschaffen, da die Äquivalenz zwischen GG25 und GJL-250 in der Fachwelt bekannt ist. Aus Sicht der Qualitätssicherung und Normkonformität ist eine Aktualisierung auf GJL-250 jedoch empfehlenswert, insbesondere wenn Zeichnungen für Audits oder Lieferantenbewertungen verwendet werden.
Für Unternehmen, die nach DIN EN ISO 9001:2015 zertifiziert sind oder ihre Lieferanten nach dieser Norm bewerten, kann eine veraltete Werkstoffbezeichnung in Zeichnungsunterlagen bei Audits Fragen aufwerfen. Die Aktualisierung der Bezeichnung von GG25 auf GJL-250C (bei Strangguss-Halbzeugen) schafft Klarheit in der Dokumentation und vermeidet potenzielle Missverständnisse in der Lieferkette.
Praktisch empfiehlt es sich, Zeichnungsaktualisierungen im Rahmen ohnehin anstehender Revisionen vorzunehmen. Eine sofortige Massenaktualisierung aller Altzeichnungen ist selten wirtschaftlich sinnvoll. Wichtiger ist es, intern eine eindeutige Äquivalenzliste zu führen und Lieferanten bei der Bestellung explizit auf die gewünschte Norm-Güte hinzuweisen.
Wo kann man GJL-250 als Strangguss-Halbzeug beziehen?
GJL-250C als Strangguss-Halbzeug ist bei spezialisierten Händlern und Bearbeitern ab Lager erhältlich, die Strangguss nach DIN EN 16482 führen. Entscheidend bei der Lieferantenwahl sind Lagerverfügbarkeit in den benötigten Abmessungen, Normkonformität der Werkstoffe und die Möglichkeit zur Bearbeitung nach Zeichnung.
MK Strangguss GmbH liefert GJL-250C als Strangguss-Halbzeug ab Lager im märkischen Sauerland, mit einem Lagerbestand von rund 1.000 Tonnen und Abmessungen von 20 mm bis 740 mm. Als Vollservice-Partner deckt das Unternehmen die gesamte Bearbeitungskette ab:
- Rohware ab Lager, kurzfristig lieferbar ab einem Stück
- Sägezuschnitte auf Maß mit präzisen Schnitttoleranzen
- Vorgedrehte Rundstäbe mit einem Aufmaß von +1,0 mm
- Vorgefräste Flächen für den direkten Einsatz im Bearbeitungszentrum
- Einbaufertige Bauteile nach Zeichnung über ausgewählte Bearbeitungspartner
Alle Werkstoffe entsprechen DIN EN 16482 und werden überwiegend aus deutscher Herstellung bezogen, was gleichbleibende Materialeigenschaften und rückverfolgbare Qualitätssicherung gewährleistet. Die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 sichert die Dokumentationsanforderungen für qualitätsbewusste B2B-Kunden ab. Weitere Informationen zum Leistungs- und Serviceangebot finden Sie direkt auf der Website.
Sprechen Sie unser Vertriebsteam an, wenn Sie GJL-250C in einer bestimmten Abmessung oder Bearbeitungsstufe benötigen. Wir beraten Sie zu Abmessungen, Werkstoffen und Lieferzeiten: Tel. +49 2391 607744-0 | info@mk-strangguss.de | Mo bis Fr, 07:00 bis 18:00 Uhr.
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