Wer Gusseisen dreht, stellt schnell fest, dass die erreichbare Oberflächenqualität stark vom Werkstoff abhängt. Grauguss (GJL) und Sphäroguss (GJS) verhalten sich beim Drehen grundlegend unterschiedlich, und wer Ra- und Rz-Werte gezielt erreichen will, muss das Gefüge, die Schnittparameter und die Werkzeugwahl aufeinander abstimmen. Gerade bei Strangguss-Halbzeugen, die direkt aus dem Stab oder Ring auf Maß gedreht werden, ist die Oberflächenrauheit oft ein Abnahmekriterium nach Zeichnung.
Dieser Artikel erläutert, welche Rauheitswerte beim Drehen von GJL und GJS realistisch erreichbar sind, welche Faktoren die Oberflächenqualität beeinflussen, und wie Schnittparameter sowie Werkzeugwahl gezielt eingesetzt werden, um definierte Rauheitsangaben reproduzierbar zu erreichen.
Rauheitswerte Ra und Rz beim Drehen von Gusseisen
Beim Drehen von Gusseisen gelten Ra-Werte zwischen 0,8 und 6,3 µm als typischer Arbeitsbereich, abhängig von Bearbeitungsstufe und Anforderung. Im Schlichtdrehen lassen sich an GJL-Werkstoffen Ra-Werte von 1,6 bis 3,2 µm zuverlässig erreichen, bei optimierten Bedingungen auch Ra 0,8 µm. Sphäroguss (GJS) erlaubt aufgrund seines homogeneren Gefüges tendenziell etwas feinere Oberflächen, wobei Ra-Werte unter 1,6 µm beim Schlichten gut reproduzierbar sind.
Der Rz-Wert, der die gemittelte Rautiefe über mehrere Messstrecken beschreibt, liegt beim Drehen von Gusseisen typischerweise beim Fünf- bis Siebenfachen des Ra-Werts. Für Funktionsflächen in der Hydraulik oder im Maschinenbau, wo Dichtheit oder ein definierter Ölfilm gefragt sind, ist Rz das entscheidendere Kriterium. Ein Ra-Wert von 1,6 µm entspricht dann einem Rz von etwa 8 bis 11 µm, was für viele Gleit- und Passflächen ausreichend ist.
Einfluss von Werkstoff und Gefüge auf die Oberflächenqualität
Das Gefüge von GJL enthält lamellaren Graphit, der beim Zerspanen als Trennstelle wirkt. Diese Graphitlamellen unterbrechen den Span und erzeugen eine charakteristische, leicht porige Oberfläche. Feinlamellarer Graphit, wie er in höherwertigen GJL-Güten wie GJL-300C vorkommt, ergibt in der Regel glattere Oberflächen als groblamellarer Graphit in niedrigeren Güten.
Sphäroguss (GJS) enthält Graphit in Kugelform, was die Zerspanbarkeit homogenisiert. Der Span läuft gleichmäßiger ab, Ausbrüche an der Schneidkante treten seltener auf, und die erreichbare Rauheit ist besser reproduzierbar. Allerdings ist GJS zäher als GJL, was höhere Schnittkräfte erfordert und bei falscher Parameterwahl zu Aufbauschneiden führen kann, die die Rauheit verschlechtern. Die Wahl der richtigen Güteklasse nach DIN EN 16482 beeinflusst also nicht nur die mechanischen Eigenschaften des Bauteils, sondern direkt die erreichbare Oberflächenqualität.
Schnittparameter gezielt auf Rauheit optimieren
Die drei wesentlichen Stellgrößen beim Drehen sind Schnittgeschwindigkeit (vc), Vorschub (f) und Schnitttiefe (ap). Für die Rauheit ist der Vorschub der dominante Parameter, da er die theoretische Rautiefe geometrisch bestimmt: Rth = f² / (8 × r), wobei r der Eckenradius des Wendeschneidplättchens ist.
Vorschub und Eckenradius
Ein kleiner Vorschub kombiniert mit einem großen Eckenradius ergibt die geringste theoretische Rautiefe. Für Ra 1,6 µm bei GJL empfiehlt sich beim Schlichten ein Vorschub von f = 0,1 bis 0,15 mm/U bei einem Eckenradius von r = 0,8 mm. Größere Eckenradien verbessern die Rauheit, erhöhen aber die Schnittdruckkräfte, was bei langen Wellen oder schlanken Bauteilen zu Schwingungen führen kann.
Schnittgeschwindigkeit
Beim Drehen von GJL liegt die empfohlene Schnittgeschwindigkeit für Hartmetall-Wendeschneidplatten zwischen 80 und 200 m/min, beim Schlichten eher im oberen Bereich. Zu geringe Schnittgeschwindigkeit begünstigt Aufbauschneiden und erhöht die Rauheit. Bei GJS sollte vc für eine stabile Spanbildung mindestens 100 m/min betragen; bei GJS-700-3C mit höherer Festigkeit sind 80 bis 120 m/min praxisüblich.
Werkzeugwahl und Werkzeugverschleiß als Qualitätsfaktoren
Die Werkzeuggeometrie und der Verschleißzustand der Schneide haben einen direkten Einfluss auf die Rauheit, der in der Praxis oft unterschätzt wird. Frische Wendeschneidplatten aus beschichtetem Hartmetall (z. B. TiAlN- oder CVD-Beschichtung) erzielen an GJL und GJS reproduzierbar gute Rauheitswerte. Mit zunehmendem Freiflächenverschleiß steigt die Rauheit, weil die Schneide nicht mehr sauber trennt, sondern Material verdrängt.
Für die Bearbeitung von Grauguss (GJL) haben sich Wendeschneidplatten mit negativer Spanwinkelgeometrie bewährt, da der abrasive Charakter des Werkstoffs Hartmetall mit positiver Geometrie schneller verschleißen lässt. Bei Sphäroguss (GJS) sind Platten mit leicht positiver Geometrie vorteilhafter, um die höhere Zähigkeit des Werkstoffs ohne übermäßigen Schnittdruck zu beherrschen. Wer Rauheitswerte nach Zeichnung reproduzierbar einhalten muss, sollte den Werkzeugwechsel nicht nach Zeitintervallen, sondern nach messbarer Rauheit oder definiertem Freiflächenverschleiß (VB max. 0,3 mm) steuern.
Auch die Stabilität der Aufspannung spielt eine Rolle. Schwingungen, die durch unzureichende Einspannung oder zu große auskragende Längen entstehen, überlagern sich mit der geometrischen Rauheit und lassen sich durch Parameteroptimierung allein nicht kompensieren.
Fertigbearbeitung nach Zeichnung: Toleranzen und Rauheitsangaben
In der industriellen Praxis werden Rauheitsanforderungen auf Zeichnungen meist als Ra-Wert angegeben, ergänzt durch Rz bei Funktionsflächen. Typische Anforderungen für gedrehte Gusseisenbauteile reichen von Ra 6,3 µm bei unkritischen Flächen bis Ra 0,8 µm bei Gleit- oder Dichtflächen. Ra 3,2 µm ist für viele Maschinenbauanwendungen der Standardwert beim Schlichten ohne zusätzliche Schleifoperation.
Entscheidend ist, dass Rauheitsangaben auf Zeichnungen immer im Zusammenhang mit Maß- und Formtoleranzen bewertet werden. Eine Fläche mit Ra 1,6 µm, aber mit unzulässiger Rundheitsabweichung, erfüllt die Funktion nicht. Bei der Fertigbearbeitung nach Zeichnung müssen daher Rauheit, Maßtoleranz (z. B. IT6 oder IT7) und Formtoleranz gemeinsam überwacht werden. Für Strangguss-Halbzeuge aus GJL und GJS, die als Rohware mit definiertem Aufmaß geliefert werden, ist das Ausgangsmaterial ein wesentlicher Faktor: gleichmäßige Materialeigenschaften über den gesamten Querschnitt erleichtern die reproduzierbare Einhaltung von Rauheitsvorgaben erheblich. Wer die gesamte Prozesskette vom Halbzeug bis zum einbaufertigen Bauteil im Blick hat, findet weitere Informationen unter Leistungen und Service.
Wie MK Strangguss GmbH bei der Bearbeitung von Gusseisen unterstützt
MK Strangguss GmbH liefert Strangguss-Halbzeuge aus Grauguss (GJL) und Sphäroguss (GJS) nach DIN EN 16482 ab Lager in Plettenberg im märkischen Sauerland, in Abmessungen von 20 mm bis 740 mm. Wer definierte Rauheitswerte nach Zeichnung einhalten muss, profitiert dabei von mehreren konkreten Leistungsmerkmalen:
- Rohware mit gleichmäßigen Materialeigenschaften aus überwiegend deutscher Herstellung, die stabile Zerspanungsbedingungen und reproduzierbare Rauheitswerte ermöglicht
- Präzise Sägezuschnitte mit minimalem Aufmaß als Ausgangsbasis für die Drehbearbeitung
- Vorgedrehte Halbzeuge mit einem Aufmaß von +1,0 mm, die den ersten Bearbeitungsschritt in der Fertigung einsparen
- Fertigbearbeitung nach Zeichnung, einbaufertig mit definierten Maß-, Form- und Rauheitstoleranzen
- Qualitätssicherung nach DIN EN ISO 9001:2015 mit rückverfolgbaren Materialchargen
Ob Rohware, vorgedrehter Zuschnitt oder einbaufertiges Bauteil: MK Strangguss GmbH stimmt den Lieferumfang auf die Anforderungen der Fertigung ab. Sprechen Sie unser Vertriebsteam an, das Ihnen zu Werkstoffen, Abmessungen und Bearbeitungsoptionen konkret weiterhelfen kann. Erreichbar Mo bis Fr von 07:00 bis 18:00 Uhr unter Tel. +49 2391 607744-0 oder per E-Mail an info@mk-strangguss.de.
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