+ 49 (0) 2391 - 60 77 44-0 info@mk-strangguss.de

Gusseisen für Ventilkörper: Anforderungen und geeignete Werkstoffe

Alexander Wosinski ·
Frisch bearbeiteter Grauguss-Ventilkörper auf Werkstattoberfläche mit Metallspänen und Messschieber daneben.

Ventilkörper gehören zu den mechanisch und thermisch am stärksten beanspruchten Bauteilen in hydraulischen und pneumatischen Systemen. Die Werkstoffwahl entscheidet dabei nicht nur über die Lebensdauer des Ventils, sondern auch über die Bearbeitbarkeit, die Dichtheit unter Druck und die Eignung für spezifische Medien. Gusseisen hat sich in diesem Anwendungsfeld über Jahrzehnte bewährt, weil es eine günstige Kombination aus mechanischer Festigkeit, Dämpfungsvermögen und guter Zerspanbarkeit bietet. Welcher Werkstoff für einen konkreten Ventilkörper geeignet ist, hängt von den Betriebsbedingungen, den Druckniveaus und dem Einsatzmedium ab.

Mechanische und thermische Anforderungen an Ventilkörper

Ventilkörper müssen dauerhaft Druckbelastungen standhalten, Dichtflächen präzise aufnehmen und dabei formstabil bleiben. In hydraulischen Anwendungen können Betriebsdrücke von mehreren hundert Bar auftreten, während in der Verfahrenstechnik zusätzlich thermische Wechselbelastungen hinzukommen. Der Werkstoff muss daher eine ausreichende Zugfestigkeit und Druckfestigkeit aufweisen, gleichzeitig aber auch eine gute Bearbeitbarkeit für die Herstellung von Bohrungen, Gewinden und Sitzflächen mitbringen.

Neben der reinen Festigkeit spielt die innere Dämpfung eine Rolle, da Ventilkörper in vielen Anwendungen Druckstößen und Schwingungen ausgesetzt sind. Gusseisen weist hier gegenüber Stahl Vorteile auf, weil die Graphitstruktur im Gefüge Schwingungsenergie absorbiert. Für Anwendungen mit erhöhten Temperaturen sind zudem die Wärmeleitfähigkeit und die Wärmeausdehnung des Werkstoffs zu berücksichtigen, um Verzug oder Undichtigkeiten im Betrieb zu vermeiden.

Grauguss (GJL) als Werkstoff für Ventilkörper

Grauguss ist der klassische Werkstoff für Ventilkörper in mittleren Druckbereichen. Die Lamellengraphitstruktur verleiht ihm eine hervorragende Dämpfungsfähigkeit und eine sehr gute Zerspanbarkeit, was die Fertigung von Sitzflächen, Gewinden und engen Passungen wirtschaftlich macht. Gleichzeitig bietet Grauguss eine hohe Druckfestigkeit, die für viele Ventilapplikationen im Maschinenbau und in der Hydraulik ausreichend ist.

Für Ventilkörper kommen vor allem die Güten GJL-250C und GJL-300C nach DIN EN 16482 in Betracht. GJL-250C erreicht eine Mindestdruckfestigkeit, die für mittlere Betriebsdrücke geeignet ist, während GJL-300C mit höherer Zugfestigkeit auch anspruchsvollere Anwendungen abdeckt. Beide Güten lassen sich gut sägen, drehen und fräsen, was die Herstellung komplexer Ventilgeometrien vereinfacht. Die Grenze von Grauguss liegt bei schlagartigen Belastungen und bei Anwendungen, die eine definierte Mindestzähigkeit erfordern, da die Lamellengraphitstruktur die Kerbschlagzähigkeit begrenzt.

Ein weiterer Vorteil von Grauguss ist die gute Korrosionsbeständigkeit gegenüber vielen industriellen Medien, insbesondere Ölen und Emulsionen, wie sie in Hydrauliksystemen eingesetzt werden. Für Ventile in wasserführenden Systemen oder bei aggressiven Medien ist jedoch eine sorgfältige Prüfung der chemischen Beständigkeit erforderlich.

Sphäroguss (GJS) für anspruchsvolle Ventilapplikationen

Sphäroguss unterscheidet sich von Grauguss durch seine Kugelgraphitstruktur, die dem Werkstoff eine deutlich höhere Zähigkeit und Duktilität verleiht. Diese Eigenschaften machen GJS zur bevorzugten Wahl für Ventilkörper, die hohen Betriebsdrücken, dynamischen Belastungen oder Druckstößen ausgesetzt sind.

Das Lieferprogramm nach DIN EN 16482 umfasst Güten von GJS-400-15C bis GJS-700-3C, wobei die Zahl nach dem Bindestrich die Mindestzugfestigkeit in N/mm² und der letzte Wert die Mindestbruchdehnung in Prozent angibt. Für Ventilkörper in der Hydraulikindustrie empfiehlt sich häufig GJS-500-7C oder GJS-600-3C, da diese Güten eine gute Balance zwischen Festigkeit und Zähigkeit bieten. GJS-700-3C eignet sich für besonders hochbelastete Anwendungen, stellt jedoch höhere Anforderungen an die Bearbeitung.

Gegenüber Stahl bietet Sphäroguss den Vorteil der Gießbarkeit komplexer Geometrien, was bei Ventilkörpern mit internen Kanälen, Taschen und Sitzgeometrien relevant ist. Die Bearbeitbarkeit ist gut, wenn auch etwas aufwendiger als bei Grauguss. Für Konstrukteure, die Werkstoffe für Gusseisen-Halbzeuge auswählen, ist Sphäroguss immer dann die richtige Wahl, wenn definierte Mindestzähigkeiten oder Druckprüfanforderungen in der Spezifikation stehen.

Bronze als Alternative für spezielle Einsatzbedingungen

In bestimmten Anwendungsfeldern stoßen Gusseisensorten an ihre Grenzen. Ventilkörper für Trinkwasserinstallationen, Meerwasseranwendungen oder den Kontakt mit aggressiven chemischen Medien erfordern eine höhere Korrosionsbeständigkeit, als Grauguss oder Sphäroguss sie bieten können. Hier kommt Bronze ins Spiel.

Bronze-Legierungen verbinden gute mechanische Festigkeit mit ausgezeichneter Beständigkeit gegenüber Wasser, Salzlösungen und vielen industriellen Chemikalien. In der Armaturenindustrie werden Bronzeventilkörper traditionell für Armaturen in der Wasserversorgung, im Schiffbau und in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Die Zerspanbarkeit von Bronze ist sehr gut, was die Herstellung präziser Dichtsitzflächen und enger Toleranzen erleichtert.

Bronze ist in der Regel teurer als Gusseisen, was bei der Werkstoffauswahl wirtschaftlich zu berücksichtigen ist. Für Anwendungen, bei denen Korrosionsbeständigkeit eine primäre Anforderung ist, überwiegen die Vorteile jedoch die höheren Materialkosten. Die Entscheidung zwischen Gusseisen und Bronze hängt letztlich von den Betriebsmedien, den Druckniveaus und den geltenden Normen und Zulassungen ab.

Werkstoffauswahl und Bearbeitungsoptionen für Ventilkörper

Die Auswahl des richtigen Werkstoffs für einen Ventilkörper folgt einem strukturierten Entscheidungsprozess: Betriebsdruck und Druckstöße definieren die Mindestanforderungen an Festigkeit und Zähigkeit, das Einsatzmedium begrenzt die Werkstoffauswahl hinsichtlich Korrosionsbeständigkeit, und die Stückzahl sowie die Bearbeitungskomplexität beeinflussen die wirtschaftliche Eignung.

Für die meisten Ventilkörper in der Hydraulik und im allgemeinen Maschinenbau ist GJL-250C oder GJL-300C die erste Wahl, solange keine erhöhten Zähigkeitsanforderungen bestehen. Bei dynamisch belasteten Ventilen oder Druckprüfanforderungen nach bestimmten Normen sollte GJS-400-15C bis GJS-600-3C in Betracht gezogen werden. Bronze bleibt der Werkstoff der Wahl bei korrosiver Beanspruchung oder spezifischen Zulassungsanforderungen.

Neben der Werkstoffwahl spielt der Bearbeitungsgrad des Ausgangsmaterials eine Rolle für die Wirtschaftlichkeit der Ventilkörperfertigung. Strangguss-Halbzeuge bieten gegenüber Sandguss den Vorteil eines homogeneren Gefüges und einer besseren Maßhaltigkeit, was Bearbeitungsaufwand und Ausschuss reduziert. Vorgedrehte Rundstäbe mit einem Aufmaß von +1,0 mm ermöglichen es, den ersten Bearbeitungsschritt zu überspringen und direkt mit der Endbearbeitung zu beginnen. Bearbeitungsoptionen von Sägen bis Fertigbearbeitung decken dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab.

Wie MK Strangguss GmbH Ventilkörper-Fertiger unterstützt

MK Strangguss GmbH liefert Strangguss-Halbzeuge aus Grauguss und Bronze, die speziell für anspruchsvolle Bauteile wie Ventilkörper geeignet sind. Das Angebot richtet sich an produzierende Betriebe, die eine zuverlässige Werkstoffversorgung mit kurzen Reaktionszeiten benötigen:

  • Grauguss-Güten GJL-250C und GJL-300C sowie Sphäroguss GJS-400-15C bis GJS-700-3C nach DIN EN 16482, ab Lager in Abmessungen von 20 mm bis 740 mm
  • Bronze-Halbzeuge für Ventilkörper mit erhöhten Korrosionsanforderungen
  • Präzise Sägezuschnitte mit minimalem Aufmaß sowie vorgedrehte Rohlinge mit +1,0 mm Aufmaß zur direkten Weiterbearbeitung
  • Einbaufertige Ventilkörper nach Zeichnung über ausgewählte Bearbeitungspartner
  • Rund 1.000 Tonnen Lagerbestand für kurze Lieferzeiten, auch bei kurzfristigem Bedarf
  • Qualitätssicherung nach DIN EN ISO 9001:2015 mit rückverfolgbarer Materialherkunft aus überwiegend deutscher Herstellung

Sprechen Sie unser Vertriebsteam an, das Sie zu Werkstoffen, Abmessungen und Bearbeitungsoptionen für Ihren konkreten Anwendungsfall berät. Ansprechpartner und Kontaktdaten finden Sie direkt auf unserer Website. Erreichbar sind wir Mo bis Fr von 07:00 bis 18:00 Uhr unter Tel. +49 2391 607744-0 oder per E-Mail an info@mk-strangguss.de.

Ähnliche Artikel