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Gusseisen fräsen: Was Zerspaner beim ersten Einsatz wissen sollten

Alexander Wosinski ·
Karbid-Schaftfräser bearbeitet graues Gusseisen-Werkstück, Metallspäne und Graphitstaub, CNC-Fräsmaschine, Nahaufnahme.

Wer zum ersten Mal Gusseisen fräst, merkt schnell: Dieses Material verhält sich anders als Stahl oder Aluminium. Die Zerspanbarkeit ist grundsätzlich gut, aber die Werkstoffeigenschaften verlangen eine angepasste Strategie bei Werkzeugwahl, Schnittparametern und Kühlmittelführung. Wer diese Besonderheiten kennt, erzielt reproduzierbare Ergebnisse und schont dabei Werkzeuge und Maschine.

Dieser Beitrag richtet sich an Zerspaner, die Gusseisen oder Grauguss fräsen und dabei auf eine solide Grundlage zurückgreifen wollen. Die folgenden Abschnitte behandeln Werkstoffeigenschaften, Werkzeugauswahl, den Umgang mit Kühlmittel sowie typische Einstiegsfehler und die Besonderheiten von Strangguss als Ausgangsmaterial.

Werkstoffeigenschaften, die das Fräsen von Gusseisen prägen

Gusseisen enthält gebundenen und freien Kohlenstoff in Form von Graphit. Dieser Graphit ist entscheidend für das Zerspanverhalten: Er wirkt als innerer Schmierstoff, führt aber gleichzeitig dazu, dass der Werkstoff keinen zusammenhängenden Span bildet, sondern in kurze, brüchige Bröckelspäne zerfällt. Das reduziert die Schnittdrücke im Vergleich zu Stahl erheblich, erzeugt aber gleichzeitig einen hohen Staubanteil im Arbeitsbereich.

Bei Grauguss (GJL) liegt der Graphit in Lamellenform vor. Diese Lamellenstruktur macht GJL gut zerspanbar, aber auch empfindlich gegenüber Zugspannungen. Sphäroguss (GJS) hingegen hat kugelförmigen Graphit, was zu deutlich höherer Duktilität und Zähigkeit führt. Das Fräsen von GJS erfordert daher mehr Schnittleistung und andere Werkzeuggeometrien als das Fräsen von GJL.

Beide Werkstoffe weisen eine harte Randzone auf, die beim Strangguss durch den Erstarrungsprozess entsteht. Diese sogenannte Schreckzone liegt typischerweise wenige Millimeter unter der Oberfläche und kann Werkzeuge stark beanspruchen. Wer diesen Bereich kennt und den ersten Schnitt tief genug ansetzt, vermeidet übermäßigen Werkzeugverschleiß bereits beim Einstechen.

Werkzeugauswahl und Schnittparameter für Gusseisen

Für das Fräsen von Gusseisen haben sich Hartmetallwerkzeuge mit TiAlN- oder AlTiN-Beschichtung bewährt. Diese Beschichtungen sind oxidationsbeständig und halten den Temperaturen stand, die beim trockenen Zerspanen entstehen. Unbeschichtete HSS-Werkzeuge sind für Gusseisen grundsätzlich weniger geeignet, da die abrasiven Graphitpartikel die Schneidkante schnell verrunden.

Bei der Schnittgeometrie gilt: Positive Spanwinkel verbessern den Spanfluss, sind aber bei sprödem GJL nicht immer die erste Wahl, da die kurzen Bröckelspäne ohnehin keinen Druck auf die Spanfläche ausüben. Negative Spanwinkel erhöhen die Schneidkantenstabilität, was besonders beim Unterbrechen des Schnitts relevant ist. Für Planfräsoperationen an GJL-Werkstoffen nach DIN EN 16482 empfehlen sich Wendeschneidplatten mit kleinem Eckenradius und mittlerer Schnitttiefe.

Richtwerte für Schnittparameter

Für Grauguss GJL-250C bis GJL-300C liegen praxiserprobte Schnittgeschwindigkeiten beim Fräsen mit Hartmetall typischerweise zwischen 80 und 150 m/min, abhängig von Beschichtung und Kühlung. Sphäroguss GJS erfordert aufgrund seiner höheren Zugfestigkeit etwas niedrigere Werte. Der Vorschub je Zahn sollte moderat gewählt werden, um Rattern zu vermeiden, ohne die Standzeit durch zu geringe Spandicke zu reduzieren.

Axiale Schnitttiefen von 1 bis 3 mm sind beim Planfräsen ein guter Ausgangspunkt. Tiefere Schnitte sind möglich, sollten aber durch ausreichende Maschinensteifigkeit und kurze Werkzeugauskraglängen abgesichert werden. Gusseisen zerspanen bedeutet auch: lieber mit stabilen Bedingungen beginnen und Parameter schrittweise optimieren, als mit maximalen Werten einzusteigen.

Trockenbearbeitung oder Kühlmittel: Was beim Gusseisen fräsen gilt

Die Frage nach dem Kühlmittel ist beim Fräsen von Gusseisen nicht trivial. Grundsätzlich lässt sich Gusseisen gut trocken zerspanen, und in der Praxis wird Trockenbearbeitung bei GJL häufig bevorzugt. Der Grund liegt in der Thermik: Kühlemulsion, die diskontinuierlich auf eine heiße Schneidkante trifft, erzeugt Thermoschock und kann zu Rissbildung im Hartmetall führen.

Wenn Kühlmittel eingesetzt wird, dann konsequent und mit ausreichendem Volumenstrom, um einen kontinuierlichen Temperaturausgleich zu gewährleisten. Minimalmengenschmierung (MMS) ist eine sinnvolle Alternative: Sie reduziert Reibung und Staubentwicklung, ohne den thermischen Wechselbelastungen eines nassen Kühlmitteleinsatzes ausgesetzt zu sein. Für GJS, der durch seine Zähigkeit mehr Wärme im Schnittbereich erzeugt, ist Kühlmittel oder MMS häufig vorteilhafter als bei GJL.

Unabhängig von der Kühlstrategie gilt: Der beim Gusseisen zerspanen entstehende Graphitstaub ist fein und setzt sich überall ab. Absaugung am Bearbeitungszentrum ist nicht nur eine Frage der Maschinenreinheit, sondern auch des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz.

Typische Fehler beim ersten Einsatz an Gusseisen-Halbzeugen

Wer von der Stahl- oder Aluminiumbearbeitung auf Gusseisen wechselt, bringt Erfahrungen mit, die nicht immer direkt übertragbar sind. Einige Fehler treten dabei regelmäßig auf.

Ein häufiger Fehler ist das Einstechen in die Randzone ohne ausreichende Schnitttiefe. Die harte Außenschicht von Strangguss-Halbzeugen verlangt, dass der erste Schnitt diese Zone vollständig durchdringt. Wer zu flach ansetzt, reibt die Schneidkante in der abrasiven Schreckzone, ohne sauber in das homogene Grundgefüge einzudringen.

Ein weiterer Fehler ist der Einsatz von Kühlmittel in unzureichender Menge. Wer zwischen Trocken- und Nassbearbeitung wechselt, ohne den Volumenstrom anzupassen, riskiert genau den beschriebenen Thermoschock. Besser ist eine klare Entscheidung: entweder vollständig trocken oder mit ausreichendem Kühlmittelfluss.

Schließlich wird die Bedeutung der Maschinensteifigkeit oft unterschätzt. Gusseisen reagiert auf Rattern mit rauer Oberfläche und erhöhtem Werkzeugverschleiß. Lange Auskraglängen, schwach gespannte Werkstücke oder verschlissene Spindellager verstärken diesen Effekt. Vor dem ersten Einsatz lohnt sich ein Blick auf den Zustand der Maschinenspindel und die Einspannsituation des Werkstücks.

Strangguss als Ausgangsmaterial: Vorteile für die Fräsbearbeitung

Nicht jedes Gusseisen-Halbzeug ist für die Fräsbearbeitung gleich gut geeignet. Strangguss-Halbzeuge aus Grauguss und Sphäroguss bieten gegenüber Sandguss oder Kokillenguss mehrere Vorteile, die sich direkt auf die Bearbeitbarkeit auswirken.

Strangguss entsteht durch kontinuierliches Gießen, was zu einem homogeneren Gefüge führt als diskontinuierliche Gussverfahren. Das Gefüge ist feinkörniger, die mechanischen Eigenschaften sind über den Querschnitt gleichmäßiger verteilt, und die Maßhaltigkeit des Ausgangsmaterials ist höher. Für den Zerspaner bedeutet das: gleichbleibende Schnittkräfte über die gesamte Bearbeitungslänge, weniger Überraschungen durch lokale Härteschwankungen und eine bessere Planbarkeit der Werkzeugstandzeiten.

Strangguss fräsen heißt auch: mit einem Ausgangsmaterial arbeiten, das bereits eine definierte Geometrie mitbringt. Rund- und Rechteckstäbe aus Strangguss kommen mit engen Toleranzen bei den Außenabmessungen, was die Aufspannsituation vereinfacht und Aufmaß reduziert. Wer mit vorgedrehten oder vorgefrästen Halbzeugen arbeitet, spart den ersten Bearbeitungsschritt vollständig ein.

Für Betriebe, die regelmäßig GJL oder GJS bearbeiten, lohnt sich die Frage nach der Herkunft und Qualität des Ausgangsmaterials. Gleichbleibende Materialeigenschaften zwischen Lieferungen sind keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis gezielter Qualitätssicherung beim Hersteller und beim Händler.

Wie MK Strangguss GmbH bei der Fräsbearbeitung von Gusseisen unterstützt

MK Strangguss GmbH liefert Strangguss-Halbzeuge aus Grauguss und Sphäroguss, die direkt für die Fräsbearbeitung geeignet sind. Das Lieferprogramm umfasst Werkstoffe nach DIN EN 16482, darunter GJL-250C, GJL-300C sowie GJS-400-15C bis GJS-700-3C, in Abmessungen von 20 mm bis 740 mm, ab Lager verfügbar. Konkret bedeutet das für Betriebe, die Gusseisen zerspanen:

  • Homogenes Strangguss-Gefüge mit gleichbleibenden Materialeigenschaften über alle Lieferungen, produziert überwiegend in deutscher Herstellung
  • Lieferung als Rohware, als Sägezuschnitt oder vorgedreht mit einem Aufmaß von +1,0 mm, sodass der erste Bearbeitungsschritt entfällt
  • Auf Wunsch vorgefräste Halbzeuge oder einbaufertige Bauteile nach Zeichnung aus der eigenen Fertigung im märkischen Sauerland
  • Rund 1.000 Tonnen Lagerbestand für kurze Reaktionszeiten, auch bei kurzfristigem Bedarf
  • Qualitätssicherung nach DIN EN ISO 9001:2015 mit rückverfolgbarer Dokumentation

Sprechen Sie das Vertriebsteam von MK Strangguss GmbH an, wenn Sie konkrete Anforderungen an Werkstoffgüte, Abmessungen oder Bearbeitungsgrad haben. Erreichbar sind wir über unsere Ansprechpartner unter Tel. +49 2391 607744-0 oder per E-Mail an info@mk-strangguss.de, Mo bis Fr von 07:00 bis 18:00 Uhr.

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