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Gusseisen drehen: Welche Schnittparameter und Werkzeuge sind empfehlenswert?

Alexander Wosinski ·
Hartmetall-Wendeschneidplatte zerspant graues Gusseisen auf einer Drehmaschine, Späne und Graphitstaub fliegen von der Schneide ab.

Wer Gusseisen dreht, merkt schnell, dass dieses Material andere Anforderungen stellt als Stahl. Die spröde Grundstruktur, der hohe Graphitanteil und die abrasiven Eigenschaften machen die Drehbearbeitung von Gusseisen zu einer Disziplin, bei der Werkzeugwahl und Schnittparameter über Standzeit, Oberflächenqualität und Prozesssicherheit entscheiden. Ob Grauguss (GJL) oder Sphäroguss (GJS): Wer die Werkstoffeigenschaften kennt und die Bearbeitungsparameter gezielt anpasst, erzielt reproduzierbar gute Ergebnisse.

Werkstoffeigenschaften von Gusseisen und ihre Auswirkungen auf die Zerspanung

Gusseisen ist kein einheitlicher Werkstoff, sondern eine Werkstoffgruppe mit unterschiedlichen Gefügestrukturen und mechanischen Eigenschaften. Für die Drehbearbeitung sind vor allem zwei Varianten relevant: Grauguss (GJL) mit lamellarem Graphit und Sphäroguss (GJS) mit kugelförmigem Graphit.

Grauguss drehen bedeutet, einen Werkstoff zu bearbeiten, der spröde bricht, keinen zusammenhängenden Span bildet und stattdessen feinen Bruchspan erzeugt. Dieser Bruchspan ist zwar für den Spanabfluss günstig, aber stark abrasiv und belastet Schneidkanten erheblich. Die Bearbeitbarkeit von Grauguss gilt dennoch als gut, solange die Werkzeugwahl stimmt.

Sphäroguss verhält sich zäher. Der kugelförmige Graphit verbessert die Duktilität, was zu längeren, bandförmigeren Spänen führt als bei GJL. Die Schnittkräfte liegen höher, und die Bearbeitung ähnelt in mancher Hinsicht eher der von Stahlwerkstoffen. Je nach Güte, von GJS-400-15C bis GJS-700-3C, variieren Festigkeit und Zähigkeit erheblich, was direkte Auswirkungen auf Schnittgeschwindigkeit und Werkzeugverschleiß hat.

Beide Varianten enthalten zudem eine harte Randzone, die durch Gusshaut oder Oxidschichten entsteht. Diese Zone beansprucht die Schneide beim ersten Schnitt besonders stark. Ein ausreichendes Aufmaß und ein zügiger erster Schnitt, der diese Schicht vollständig durchdringt, schonen das Werkzeug im weiteren Bearbeitungsverlauf.

Empfohlene Schnittparameter beim Drehen von Gusseisen

Die Schnittparameter beim Gusseisen drehen hängen von der Werkstoffgüte, dem Schneidstoff und dem gewünschten Bearbeitungsergebnis ab. Als Orientierung gelten folgende Richtwerte für die Praxis.

Schnittgeschwindigkeit

Für Grauguss (GJL) mit Hartmetall-Wendeschneidplatten liegt die empfohlene Schnittgeschwindigkeit typischerweise zwischen 100 und 300 m/min, abhängig von der Härte des Materials und der Plattengeometrie. Weichere Güten wie GJL-HB150C erlauben höhere Schnittgeschwindigkeiten, während härtere Sorten wie GJL-300C niedrigere Werte erfordern.

Beim Sphäroguss drehen sind die Schnittgeschwindigkeiten in der Regel etwas niedriger anzusetzen, da die höhere Zähigkeit des Werkstoffs die Wärmeentwicklung an der Schneide verstärkt. Richtwerte von 80 bis 200 m/min sind für GJS-Güten mit Hartmetallwerkzeugen praxisüblich.

Vorschub und Schnitttiefe

Beim Schruppen empfiehlt sich ein Vorschub von 0,3 bis 0,8 mm/U kombiniert mit einer Schnitttiefe von 2 bis 5 mm. Beim Schlichten reduziert man den Vorschub auf 0,1 bis 0,3 mm/U bei einer Schnitttiefe von 0,3 bis 1 mm, um die geforderte Oberflächengüte zu erreichen.

Entscheidend ist, dass die Schnitttiefe beim ersten Schnitt die Gusshaut vollständig überschreitet. Wer zu flach einsticht, lässt die Schneide in der abrasiven Randzone laufen, was den Verschleiß überproportional erhöht.

Kühlmittel

Grauguss wird häufig trocken bearbeitet, da der Bruchspan gut abgeführt wird und Kühlmittel die Graphitpartikel aufwirbeln und zu Ablagerungen führen können. Bei Sphäroguss kann eine Minimalmengen-Schmierung oder Druckluft zur Kühlung sinnvoll sein, insbesondere bei höheren Schnittgeschwindigkeiten oder langen Bearbeitungszeiten.

Geeignete Werkzeuge und Schneidstoffe für die Gusseisen-Drehbearbeitung

Die Werkzeugwahl ist beim Gusseisen drehen der zentrale Hebel für Standzeit und Prozesssicherheit. Wendeschneidplatten für Gusseisen unterscheiden sich in Substrat, Beschichtung und Geometrie deutlich von Platten für Stahlwerkstoffe.

Hartmetall-Wendeschneidplatten mit einer CVD-Beschichtung aus Aluminiumoxid (Al2O3) oder Titancarbid (TiCN) haben sich für die Gusseisen-Bearbeitung bewährt. Die Aluminiumoxidschicht ist besonders verschleißfest gegenüber den abrasiven Graphitpartikeln und hält auch bei höheren Temperaturen stabil. Für Grauguss empfiehlt sich eine negative oder leicht positive Schneidgeometrie mit stabiler Schneidkante.

Keramische Schneidstoffe ermöglichen deutlich höhere Schnittgeschwindigkeiten als Hartmetall, sind aber empfindlicher gegenüber Schwingungen und Unterbrechungen im Schnitt. Sie eignen sich vor allem für das Schlichten von Grauguss unter stabilen Bedingungen auf steifen Maschinen.

CBN-Schneidstoffe (kubisches Bornitrid) kommen bei der Bearbeitung von gehärtetem oder hochfestem Gusseisen zum Einsatz, wo Hartmetall zu schnell verschleißt. Für Standardgüten nach DIN EN 16482 ist CBN in der Regel nicht wirtschaftlich.

Bei der Plattengeometrie gilt: Eine ausreichend große Spanwinkelstabilität und eine robuste Schneidkante sind wichtiger als scharfe Geometrien, die bei Stahl vorteilhaft wären. Gusseisen bricht spröde, der Span muss nicht geformt, sondern nur sicher abgeführt werden.

Typische Fehler und Qualitätsprobleme beim Gusseisen drehen

Auch erfahrene Zerspaner stoßen beim Gusseisen drehen auf wiederkehrende Probleme. Die häufigsten lassen sich auf wenige Ursachen zurückführen.

Zu geringe Schnitttiefe beim Einstich ist einer der häufigsten Fehler. Wer die Gusshaut nicht vollständig durchdringt, schleift die Schneide in der harten Randzone auf, ohne Material effizient abzutragen. Das Ergebnis ist rascher Freiflächenverschleiß und schlechte Oberflächengüte.

Schwingungen und Rattern entstehen häufig bei langen Ausladungen, schlechter Werkstückeinspannung oder zu weichen Maschinenführungen. Gusseisen reagiert auf Schwingungen mit Ausbrüchen an der Schneidkante, die sich sofort in der Oberfläche abzeichnen. Steife Einspannung und kurze Ausladung sind keine optionalen Verbesserungen, sondern Grundvoraussetzungen.

Falsche Werkzeugwahl für die jeweilige Güte ist ein weiterer Fehler. Wer eine Platte für Stahl an Sphäroguss GJS-700-3C einsetzt, riskiert Schneidkantenausbrüche durch die höheren Schnittkräfte. Die Güte des Werkstoffs bestimmt die Werkzeugauswahl, nicht nur die Werkstoffgruppe.

Zu niedrige Schnittgeschwindigkeit führt bei Grauguss paradoxerweise zu höherem Verschleiß, weil die Temperatur an der Schneide nicht ausreicht, um eine schützende Oxidschicht auf der Hartmetallbeschichtung aufzubauen. Wer aus Vorsicht zu langsam dreht, schadet dem Werkzeug mehr als nötig.

Strangguss-Halbzeuge als Ausgangsmaterial für die Drehbearbeitung

Die Qualität des Ausgangsmaterials entscheidet maßgeblich darüber, wie reproduzierbar und effizient die Drehbearbeitung gelingt. Strangguss-Halbzeuge bieten gegenüber konventionellen Sandguss-Rohlingen klare Vorteile für die spanende Bearbeitung.

Durch den kontinuierlichen Erstarrungsprozess beim Strangguss entsteht ein homogenes, feinkörniges Gefüge mit geringer Porosität und gleichmäßiger Härteverteilung über den Querschnitt. Das bedeutet in der Praxis: stabile Schnittkräfte, gleichmäßiger Werkzeugverschleiß und reproduzierbare Maßhaltigkeit über die gesamte Bearbeitungslänge. Für die Auswahl geeigneter Gusseisen-Güten ist diese Gefügekonsistenz ein entscheidendes Kriterium.

Strangguss-Rundstäbe und Vierkantprofile lassen sich direkt auf die Drehmaschine spannen, ohne aufwendige Vorbearbeitung. Bei vorgedrehten Halbzeugen mit einem Aufmaß von +1,0 mm entfällt der erste Schrupp-Schnitt vollständig, was Maschinenzeit und Werkzeugverschleiß reduziert. Gesägte Zuschnitte mit definierten Längen minimieren den Materialverschnitt vor der eigentlichen Bearbeitung.

Für Anwendungen, bei denen die Drehbearbeitung nur einen Teilschritt darstellt, bieten vorbereitete Halbzeuge einen weiteren Vorteil: Die Gusshaut ist bereits entfernt oder auf ein Mindestmaß reduziert, sodass die abrasive Randzone den Prozess nicht mehr dominiert. Das schont Werkzeuge und stabilisiert die Bearbeitungsparameter von Anfang an.

Wie MK Strangguss GmbH die Drehbearbeitung von Gusseisen unterstützt

Als spezialisierter Vollservice-Partner für Strangguss-Halbzeuge aus Gusseisen und Bronze unterstützt MK Strangguss GmbH Fertigungsbetriebe entlang der gesamten Bearbeitungskette. Das Lieferprogramm umfasst Grauguss- und Sphäroguss-Werkstoffe nach DIN EN 16482 in Abmessungen von 20 mm bis 740 mm, ab Lager lieferbar mit einem Bestand von rund 1.000 Tonnen.

Für die Drehbearbeitung relevant sind insbesondere folgende Leistungen:

  • Präzise Sägezuschnitte mit definierten Längen und minimalem Aufmaß, die direkt auf die Drehmaschine gespannt werden können
  • Vorgedrehte Halbzeuge mit einem Aufmaß von +1,0 mm, die den ersten Schrupp-Schnitt und die Bearbeitung der Gusshaut einsparen
  • Vorgefräste Oberflächen (4- und 6-seitig) als Ausgangsbasis für Folgebearbeitungen
  • Einbaufertige Bauteile nach Zeichnung, gefertigt in der eigenen Fertigung im märkischen Sauerland oder über ausgewählte Bearbeitungspartner
  • Werkstoffe überwiegend aus deutscher Herstellung mit gleichbleibenden Materialeigenschaften und Rückverfolgbarkeit nach DIN EN ISO 9001:2015

Die Bearbeitungsleistungen von MK Strangguss richten sich an Betriebe, die ihren internen Bearbeitungsaufwand reduzieren und sich auf ihre Kernprozesse konzentrieren möchten. Ob Rohware, Zuschnitt oder einbaufertiges Bauteil: Das Lieferprogramm lässt sich flexibel auf die jeweilige Fertigungstiefe abstimmen.

Sprechen Sie unser Vertriebsteam an, um Abmessungen, Werkstoffe und Bearbeitungsoptionen für Ihre Anwendung zu besprechen. Wir sind erreichbar unter Tel. +49 2391 607744-0 oder info@mk-strangguss.de, Mo bis Fr von 07:00 bis 18:00 Uhr.

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