+ 49 (0) 2391 - 60 77 44-0 info@mk-strangguss.de

Festigkeit vs. Zähigkeit bei Gusseisen: Was ist für Ihre Anwendung entscheidend?

Alexander Wosinski ·
Gebrochener Grauguss-Stab neben einem intakten Sphäroguss-Stab auf Werkstattbank, kristalline Bruchfläche sichtbar.

Bei der Werkstoffauswahl für Gusseisen-Bauteile ist die Entscheidung zwischen Festigkeit und Zähigkeit keine Frage des „mehr ist besser“, sondern eine Frage der Belastungsart. Grauguss (GJL) bietet hohe Druckfestigkeit und Dämpfungseigenschaften, während Sphäroguss (GJS) durch seine Kugelgraphitstruktur deutlich höhere Zähigkeit und Zugfestigkeit erreicht. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen zur Werkstoffauswahl bei Strangguss-Halbzeugen aus Gusseisen.

Was ist der Unterschied zwischen Festigkeit und Zähigkeit bei Gusseisen?

Festigkeit beschreibt den Widerstand eines Werkstoffs gegen bleibende Verformung oder Bruch unter statischer Last, Zähigkeit dagegen beschreibt die Fähigkeit, Energie aufzunehmen, bevor ein Bruch eintritt. Bei Gusseisen sind beide Eigenschaften strukturell bedingt und lassen sich nicht unabhängig voneinander optimieren.

Die Graphitmorphologie im Gefüge ist der entscheidende Faktor. Bei Grauguss (GJL) liegt Graphit in Lamellenform vor. Diese Lamellen wirken als innere Kerben und begrenzen die Dehnung auf Werte unter einem Prozent, was den Werkstoff spröde macht. Gleichzeitig ermöglichen genau diese Lamellen eine hervorragende Druckfestigkeit und Schwingungsdämpfung.

Bei Sphäroguss (GJS) ist der Graphit durch Magnesiumbehandlung in Kugelform gebracht worden. Die Kugeln unterbrechen das metallische Grundgefüge weit weniger stark als Lamellen, was zu Bruchdehnungswerten von 3 bis 15 Prozent führt, je nach Güte. Daraus ergibt sich eine erheblich höhere Zähigkeit bei gleichzeitig guter Zugfestigkeit.

Für die Werkstoffauswahl bedeutet das: Festigkeit allein reicht nicht als Auswahlkriterium. Wer nur auf den Zugfestigkeitswert schaut, ohne die Bruchdehnung zu berücksichtigen, riskiert Bauteilversagen unter dynamischer oder stoßartiger Belastung.

Welche Gusseisensorte hat die höhere Festigkeit: GJL oder GJS?

Sphäroguss (GJS) erreicht bei der Zugfestigkeit höhere Werte als Grauguss (GJL). GJS-700-3C beispielsweise kommt auf eine Mindestzugfestigkeit von 700 MPa, während GJL-300C bei etwa 300 MPa liegt. Bei der Druckfestigkeit kehrt sich das Bild jedoch teilweise um: Grauguss verhält sich unter Druckbelastung sehr günstig und erreicht das Drei- bis Vierfache seiner Zugfestigkeit.

Das Lieferprogramm nach DIN EN 16482 verdeutlicht die Bandbreite:

  • GJL-HB150C und GJL-250C: Grauguss-Güten mit guter Bearbeitbarkeit und hoher Druckfestigkeit
  • GJL-300C: Grauguss mit erhöhter Zugfestigkeit für anspruchsvollere statische Anwendungen
  • GJS-400-15C bis GJS-700-3C: Sphäroguss-Güten mit Zugfestigkeiten von 400 bis 700 MPa und Bruchdehnungen von 15 bis 3 Prozent

Entscheidend dabei ist, dass mit steigender Güte beim GJS die Bruchdehnung sinkt. GJS-700-3C ist fester als GJS-400-15C, aber auch spröder. Die Werkstoffauswahl erfordert deshalb immer eine Betrachtung des gesamten Eigenschaftsprofils, nicht nur des Festigkeitskennwerts.

Warum ist Zähigkeit bei dynamischen Belastungen wichtiger als Festigkeit?

Unter dynamischer Belastung, also bei wechselnden, stoßartigen oder schwingenden Kräften, ist die Fähigkeit eines Werkstoffs zur Energieaufnahme entscheidend für die Betriebssicherheit. Ein hochfester, aber spröder Werkstoff kann bei einem einzelnen Lastspitzenereignis versagen, obwohl er statisch ausreichend dimensioniert wäre.

Zähigkeit wirkt als Puffer: Der Werkstoff verformt sich plastisch, bevor er bricht, und gibt damit ein Warnsignal, bevor es zum Totalversagen kommt. Bei Grauguss fehlt dieser Puffer weitgehend. Die Bruchdehnung von unter einem Prozent bedeutet, dass GJL bei Überlastung ohne sichtbare Vorwarnung bricht.

Für Bauteile in Antriebssträngen, Kupplungen oder Hydrauliksystemen, die Druckspitzen, Anlaufmomente oder Vibrationen ausgesetzt sind, ist daher Sphäroguss in der Regel die sicherere Wahl. GJS-400-15C mit 15 Prozent Bruchdehnung bietet hier einen erheblichen Sicherheitspuffer gegenüber GJL-300C mit unter einem Prozent.

Grauguss ist dagegen sehr gut geeignet, wenn Schwingungsenergie gedämpft werden soll, also wenn Vibrationen absorbiert statt übertragen werden müssen. Die Lamellenstruktur, die GJL spröde macht, ist gleichzeitig der Grund für seine überlegene Dämpfungseigenschaft.

Wann sollte man Grauguss statt Sphäroguss wählen?

Grauguss (GJL) ist die richtige Wahl, wenn vorwiegend statische Druckbelastungen auftreten, Schwingungsdämpfung gefragt ist oder die Bearbeitbarkeit und die Gleiteigenschaften des Werkstoffs im Vordergrund stehen. Typische Anwendungsfelder sind Maschinenbetten, Führungsplatten, Gehäuse und Gleitlager.

Die praktischen Vorteile von Grauguss im Überblick:

  • Hervorragende Bearbeitbarkeit durch den Graphitanteil, der als interner Schmierstoff wirkt
  • Gute Dämpfungseigenschaften bei Vibrationen und Schwingungen
  • Hohe Druckfestigkeit bei vergleichsweise günstiger Materialbasis
  • Sehr gute Wärmeleitfähigkeit, relevant für thermisch belastete Bauteile
  • Geringere Neigung zur Kaltverfestigung beim Spanen

Im Glas- und Formenbau etwa, wo präzise gefräste Oberflächen, enge Maßtoleranzen und gute Wärmeableitung gefragt sind, ist Grauguss GJL häufig die wirtschaftlichere und technisch passendere Wahl gegenüber Sphäroguss. Strangguss-Halbzeuge aus Grauguss stehen dabei in Abmessungen von 20 mm bis 740 mm ab Lager zur Verfügung, was kurze Reaktionszeiten auch bei kurzfristigem Bedarf ermöglicht.

Welche Gusseisengüte eignet sich für die Hydraulik- und Antriebstechnik?

Für Hydraulik- und Antriebsanwendungen eignet sich Sphäroguss (GJS) in den Güten GJS-400-15C bis GJS-600-3C. Diese Werkstoffe nach DIN EN 16482 verbinden ausreichende Zugfestigkeit mit einer Bruchdehnung, die Druckspitzen und dynamische Lastwechsel sicher aufnimmt, ohne dass Sprödbrüche drohen.

In der Hydraulik sind Bauteile wie Kolben, Zylinderbüchsen und Ventilgehäuse dauerhaft Innendrücken ausgesetzt, die auch kurzzeitig stark ansteigen können. GJS-500-7C bietet hier einen guten Kompromiss: 500 MPa Mindestzugfestigkeit bei noch 7 Prozent Bruchdehnung. Wo höhere Festigkeit bei akzeptabler Zähigkeit gefordert ist, kommt GJS-600-3C in Betracht.

In der Antriebstechnik, also bei Zahnrädern, Kupplungsscheiben oder Getriebegehäusen, sind Anlaufmomente und Stoßbelastungen maßgebend. Auch hier ist die Zähigkeit des Sphärogusses gegenüber dem Grauguss entscheidend. GJS-400-15C eignet sich besonders, wenn neben der Festigkeit auch Schweißbarkeit oder spätere Nachbearbeitung eine Rolle spielen.

Vorgedreht mit einem Aufmaß von +1,0 mm geliefert, lassen sich diese Strangguss-Halbzeuge direkt in die Fertigung einschleusen, ohne dass ein zusätzlicher Schruppdurchgang erforderlich ist.

Wie beeinflusst die Abmessung des Stranggusses die mechanischen Eigenschaften?

Bei Strangguss-Halbzeugen gilt: Mit zunehmender Querschnittsgröße verändert sich das Gefüge durch langsamere Erstarrung und veränderte Abkühlbedingungen, was die mechanischen Kennwerte beeinflusst. Größere Querschnitte neigen zu gröberem Gefüge und können niedrigere Festigkeitswerte aufweisen als kleinere Abmessungen derselben Güte.

Dieser Zusammenhang ist bei der Werkstoffauswahl für große Bauteile zu berücksichtigen. Ein Sphäroguss GJS-500-7C in einem Durchmesser von 600 mm verhält sich nicht identisch wie derselbe Werkstoff in 80 mm Durchmesser. Die in DIN EN 16482 angegebenen Mindestwerte gelten für definierte Probenkörper; bei großen Querschnitten sollten die tatsächlichen Eigenschaften mit dem Lieferanten abgestimmt werden.

Für die Praxis bedeutet das:

  • Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen in großen Abmessungen empfiehlt sich eine Werkstoffprüfung am Fertigteil oder an einem repräsentativen Probestab
  • Bei kleinen bis mittleren Querschnitten (20 mm bis etwa 300 mm) sind die Norm-Kennwerte in der Regel zuverlässig erreichbar
  • Die Güteauswahl sollte bei großen Abmessungen konservativ erfolgen, also mit einem Sicherheitsabstand zur Auslegungsgrenze

Mit einem Lagerbestand von rund 1.000 Tonnen und Abmessungen von 20 mm bis 740 mm stellt MK Strangguss GmbH sicher, dass auch ungewöhnliche Querschnitte kurzfristig verfügbar sind. Die Bearbeitungsleistungen in der eigenen Fertigung im märkischen Sauerland ermöglichen dabei eine gezielte Abstimmung von Abmessung, Güte und Bearbeitungsgrad auf die jeweilige Anwendung.

Wie MK Strangguss GmbH bei der Werkstoffauswahl unterstützt

Die Auswahl zwischen Grauguss (GJL) und Sphäroguss (GJS) hängt von Belastungsart, Bauteilgeometrie und Fertigungsanforderungen ab. MK Strangguss GmbH liefert Strangguss-Halbzeuge nach DIN EN 16482 in beiden Werkstoffgruppen, ab Lager in Abmessungen von 20 mm bis 740 mm, und unterstützt Einkäufer und Konstrukteure bei der konkreten Werkstoffentscheidung:

  • Verfügbare Güten: GJL-HB150C, GJL-250C, GJL-300C sowie GJS-400-15C bis GJS-700-3C
  • Lieferung als Rohware, gesägter Zuschnitt, vorgedreht mit +1,0 mm Aufmaß oder einbaufertig nach Zeichnung
  • Rund 1.000 Tonnen Lagerbestand, überwiegend aus deutscher Herstellung, kurzfristig ab Lager lieferbar
  • Zertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2015 für lückenlose Qualitätsdokumentation
  • Lösungsorientierte Beratung durch das Vertriebsteam zu Abmessungen, Güten und Bearbeitungsgrad

Sprechen Sie das Vertriebsteam von MK Strangguss an, um die passende Gusseisengüte für Ihre Anwendung zu bestimmen: Tel. +49 2391 607744-0 | info@mk-strangguss.de | Mo bis Fr, 07:00 bis 18:00 Uhr.

Ähnliche Artikel