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DIN EN 16482 vs. DIN EN 1561: Welche Norm gilt wann für Strangguss?

Alexander Wosinski ·
Querschnitt eines Strangguss-Graugussstabs auf Werkbank mit technischen Datenblättern und Metallspänen.

Wer Strangguss-Halbzeuge aus Grauguss oder Sphäroguss beschafft, begegnet früher oder später zwei Normen: DIN EN 16482 und DIN EN 1561. Beide regeln Gusseisen, beide sind in der europäischen Normungslandschaft verankert, und dennoch gelten sie für grundlegend unterschiedliche Produktgruppen. Für Einkäufer und Konstrukteure, die normkonforme Werkstoffe für ihre Fertigung benötigen, ist die Unterscheidung keine Formalie, sondern eine beschaffungsrelevante Entscheidung.

Der Fehler liegt häufig darin, beide Normen als austauschbar zu behandeln. Eine Bestellung, die auf die falsche Norm verweist, kann zu Lieferverzögerungen, Rückfragen oder im schlimmsten Fall zu Werkstoffeigenschaften führen, die nicht dem tatsächlichen Bedarf entsprechen. Dieser Artikel erklärt, woher der Unterschied kommt, was die Normen jeweils regeln, und welche Norm für welchen Beschaffungsfall die richtige Grundlage bildet.

Zwei Normen, ein Werkstoff – woher der Unterschied kommt

Grauguss und Sphäroguss sind als Werkstoffgruppen schon lange etabliert. Die Normierung dieser Werkstoffe hat sich jedoch nicht einheitlich entwickelt, sondern entlang zweier unterschiedlicher Produktwege: dem klassischen Sandguss auf der einen Seite und dem Strangguss auf der anderen.

DIN EN 1561 ist die ältere der beiden Normen und regelt Gusseisen mit Lamellengraphit, also Grauguss, der im Sandgussverfahren hergestellt wird. Sie definiert Werkstoffgüten, mechanische Eigenschaften und Prüfbedingungen für gegossene Bauteile, die in der Regel bauteilspezifisch gefertigt werden. Die Norm ist auf das Sandgussverfahren und dessen typische Gefügeausbildung ausgerichtet.

DIN EN 16482 wurde später eingeführt, um dem Stranggussverfahren eine eigene normative Grundlage zu geben. Beim Strangguss wird flüssiges Gusseisen kontinuierlich in eine wassergekühlte Kokille gegossen und zu Stangen, Rohren oder Profilen erstarrt. Dieses Verfahren erzeugt ein deutlich feineres und gleichmäßigeres Gefüge als Sandguss, was zu anderen mechanischen Kennwerten führt. DIN EN 16482 trägt diesem Unterschied Rechnung und definiert eigene Gütebezeichnungen mit dem Zusatz „C“ (für „continuously cast“), etwa GJL-250C oder GJS-400-15C.

Der entscheidende Punkt: Gleiche Gütebezeichnungen nach DIN EN 1561 und DIN EN 16482 sind nicht automatisch gleichwertig. Ein GJL-250 nach DIN EN 1561 und ein GJL-250C nach DIN EN 16482 teilen die Nomenklatur, nicht aber zwingend identische Prüfbedingungen und Kennwerte. Wer das übersieht, riskiert Fehler in der Werkstoffauswahl.

Geltungsbereiche im direkten Vergleich

Die Abgrenzung zwischen beiden Normen folgt einem klaren Prinzip: DIN EN 1561 gilt für Sandgussbauteile, DIN EN 16482 gilt für Strangguss-Halbzeuge. Beide Normen decken Grauguss und Sphäroguss ab, aber in unterschiedlichen Fertigungskontexten.

Was DIN EN 1561 regelt

DIN EN 1561 definiert Gusseisen mit Lamellengraphit (GJL) für Bauteile, die im Sandgussverfahren hergestellt werden. Die Norm legt Mindestzugfestigkeiten, Brinellhärten und Prüfbedingungen fest, die für sandgegossene Bauteile charakteristisch sind. Die Kennwerte beziehen sich auf separat gegossene Probestäbe, da die mechanischen Eigenschaften von Sandgussteilen stark von der Wanddicke und dem Abkühlverhalten abhängen.

Typische Anwendungsfelder für Werkstoffe nach DIN EN 1561 sind Maschinengehäuse, Motorblöcke, Bremsscheiben und andere Bauteile, die bauteilspezifisch gegossen werden. Diese Teile kommen nicht als Halbzeug auf den Markt, sondern werden direkt in ihrer Endform gegossen.

Was DIN EN 16482 regelt

DIN EN 16482 ist speziell auf Strangguss-Halbzeuge ausgerichtet. Sie umfasst sowohl Grauguss (GJL) als auch Sphäroguss (GJS) in stranggegossener Form, also als Rundstäbe, Vierkantprofile, Rohre und Ringe, die aus einem kontinuierlichen Gießprozess stammen. Die Gütebezeichnungen tragen das Suffix „C“ als Kennzeichen des Stranggussverfahrens.

Das feinere und homogenere Gefüge von Strangguss führt zu verbesserten Zerspanungseigenschaften und gleichmäßigeren mechanischen Kennwerten über den gesamten Querschnitt. DIN EN 16482 bildet diese Besonderheiten normativ ab und definiert Prüfbedingungen, die dem Halbzeugcharakter des Werkstoffs entsprechen. Strangguss-Halbzeuge nach DIN EN 16482 umfassen Güten von GJL-HB150C über GJL-250C und GJL-300C bis hin zu GJS-400-15C, GJS-500-7C und GJS-700-3C.

Welche Norm für welchen Beschaffungsfall gilt

Die Antwort hängt nicht vom Werkstoff ab, sondern vom Fertigungsweg und der Produktform. Wer ein Halbzeug zum Zerspanen, Drehen oder Fräsen beschafft, bewegt sich immer im Geltungsbereich von DIN EN 16482. Wer ein fertig gegossenes Bauteil in seiner Endgeometrie bezieht, bezieht sich auf DIN EN 1561.

Für die Praxis im Maschinenbau, in der Antriebs- und Hydraulikindustrie sowie im Glas- und Formenbau ist DIN EN 16482 die relevante Norm. Strangguss-Rundstäbe, Rohre oder Profile, die anschließend spanend bearbeitet werden, sind per Definition Halbzeuge nach DIN EN 16482. Die Angabe „nach DIN EN 1561“ wäre in diesem Kontext fachlich unzutreffend und kann bei der Wareneingangsprüfung oder der Qualitätsdokumentation zu Problemen führen.

Ein häufiger Beschaffungsfehler entsteht, wenn Konstrukteure aus Zeichnungen älterer Bauteile einfach die Werkstoffangabe übernehmen, ohne zu prüfen, ob der Ursprung des Werkstoffs ein Sandguss- oder ein Stranggusshalbzeug war. Wenn die Fertigung auf Strangguss umgestellt wird, muss die Normenreferenz in der Zeichnung entsprechend angepasst werden.

Für die Beschaffungsentscheidung gilt: Sobald ein Werkstoff in Form eines Halbzeugs angeliefert und anschließend zerspanend bearbeitet wird, ist DIN EN 16482 die korrekte Normgrundlage. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um Grauguss GJL oder Sphäroguss GJS handelt.

Normkonforme Bestellung von Strangguss-Halbzeugen

Eine normkonforme Bestellung enthält mehr als nur die Gütebezeichnung. Für Strangguss-Halbzeuge nach DIN EN 16482 sollte die Bestellangabe die Norm, die Güte mit dem Suffix „C“, die Produktform (Rundstab, Rohr, Vierkant) und die gewünschten Abmessungen umfassen.

Ein Beispiel für eine vollständige Bestellangabe: „Rundstab GJL-250C nach DIN EN 16482, Durchmesser 120 mm, Länge 500 mm.“ Diese Angabe ist eindeutig, normkonform und vermeidet Rückfragen beim Lieferanten. Die Angabe „Grauguss 120 mm“ hingegen lässt Güte, Norm und Fertigungsweg offen.

Für die Qualitätsdokumentation im eigenen Unternehmen ist die korrekte Normenangabe relevant, wenn Werkstoffe rückverfolgbar sein müssen. Zertifikate nach DIN EN 16482 weisen die Güte, die chemische Zusammensetzung und die mechanischen Kennwerte des Strangguss-Halbzeugs aus. Diese Zertifikate sind nicht austauschbar mit Zertifikaten nach DIN EN 1561, da sie andere Prüfbedingungen und Kennwerte abbilden.

Wer regelmäßig Strangguss-Halbzeuge beschafft, profitiert davon, die Normreferenz bereits in der Bestellvorlage oder im ERP-System zu hinterlegen. Das reduziert Fehler bei der Bestellung und vereinfacht die Wareneingangsprüfung. Bei Sonderabmessungen oder weniger gängigen Güten lohnt sich die Rücksprache mit dem Lieferanten, um sicherzustellen, dass die gewünschte Kombination aus Güte und Abmessung ab Lager verfügbar ist.

Wie MK Strangguss GmbH bei der normkonformen Beschaffung unterstützt

Als spezialisierter Händler und Bearbeiter von Strangguss-Halbzeugen liefert MK Strangguss GmbH ausschließlich Werkstoffe nach DIN EN 16482, überwiegend aus deutscher Herstellung. Der Lagerbestand umfasst rund 1.000 Tonnen in Abmessungen von 20 mm bis 740 mm, darunter folgende Güten:

  • GJL-HB150C, GJL-250C, GJL-300C (Grauguss)
  • GJS-400-15C, GJS-500-7C, GJS-700-3C (Sphäroguss)
  • Bronze-Legierungen für spezifische Anwendungen

Geliefert wird als Rohware, als gesägter Zuschnitt oder als vorgedrehtes Halbzeug mit einem Aufmaß von +1,0 mm, damit der erste Bearbeitungsschritt in der Fertigung entfällt. Auf Wunsch fertigt MK Strangguss GmbH über ausgewählte Bearbeitungspartner auch einbaufertige Bauteile nach Zeichnung. Die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 stellt sicher, dass Werkstoffzertifikate und Qualitätsdokumentation den Anforderungen der Wareneingangsprüfung entsprechen. Mehr zu den verfügbaren Leistungen und Serviceangeboten finden Sie auf der Website.

Sprechen Sie das Vertriebsteam direkt an, wenn Sie Fragen zur Normreferenz, zur Güteauswahl oder zur Verfügbarkeit bestimmter Abmessungen haben: Tel. +49 2391 607744-0 | info@mk-strangguss.de | Mo–Fr, 07:00–18:00 Uhr.

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